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Blick hinter die Kulissen: Das MVG Betriebszentrum

27. März 2017

Das MVG Betriebszentrum ist an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt. Seine Mitarbeiter sind die unsichtbaren Steuerer der U-Bahn. Sie greifen in Sekundenschnelle ein, wenn etwas nicht so läuft, wie es im Fahrplan steht. Das passiert vielfach jeden Tag - und jede Nacht.

Die Arbeitsinsel für die Linien U3/U6 im MVG Betriebszentrum. Dem Bereich zwischen Münchner Freiheit und Fröttmaning kommt eine besonders Bedeutung zu - es ist die Ein- und Ausrückstrecke von und zur Technischen Basis.

Die Kolleginnen und Kollegen im MVG Betriebszentrum arbeiten in drei Acht-Stunden-Schichten rund um die Uhr. Je ein Viererteam kümmert sich dabei um eine Doppellinie: U1/U2, U3/U6 und U4/U5. Auch wenn sich die Arbeitsplätze  zunächst ähneln - an jedem ist eine Vielzahl von Monitoren über- und nebeneinander aufgebaut -, jedes Mitglied im Team hat eine andere Aufgabe. Auf einigen Monitoren werden Livebilder von den Bahnhofskameras der betreuten Linien übertragen. Auf anderen ist ein Schema des Liniennetzes samt exakter Position aller Züge dargestellt.

Jedes Viererteam im MVG Betriebszentrum besetzt für seine Linien folgende Kernaufgaben:

Stellwerker: Kein Zug fährt ohne Freigabe des nächsten Streckenabschnitts, der sogenannten Fahrstraße. Das ist die Kernaufgabe der Zugsicherung, die im Regelbetrieb von einem automatischen System organisiert wird (Hintergrundinfos gibt's hier im Stellwerk-Artikel). Sobald jedoch etwas Ungeplantes passiert, wenn etwa ein Signal nicht umspringt, eine Weiche den Dienst verweigert oder ein Zug wegen Verspätung schon vor dem Endbahnhof wenden muss, dann ist der Stellwerker gefragt. Und zwar innerhalb von Sekunden: Er kann den Zügen aus der Ferne "Grün" geben, indem er die Fahrstraßen am Rechner einstellt.

Uneingeweihte sehen hier nur ein Durcheinander aus Linien, Punkten und Zahlen, doch der Stellwerker hat den Durchblick: Die Monitore zeigen einen Abschnitt im U-Bahnnetz mitsamt allen Fahrzeugen, Weichen und Signalen.

Auch in folgender Situation, die viele Fahrgäste kennen, ist der Stellwerker am Zug: An einem U-Bahnsteig, den zwei Linien auf parallelen Gleisen anfahren, steht auf jedem Gleis eine U-Bahn, beide wollen in die gleiche Richtung. Der Stellwerker entscheidet zusammen mit dem Liniendisponenten, seinem direkten Platznachbarn im Betriebszentrum, welcher Zug zuerst in den Tunnel darf. Der nächste kann erst starten, wenn der Abschnitt vom Sicherungssystem wieder als frei gemeldet ist.

Für Züge, die aus dem Betrieb zu turnusmäßigen Werkstattterminen in die Technische Basis müssen, stellt der Stellwerker vorab die Einrückwege zusammen. Anhand des Wartungsplans der Werkstatt versucht er die Wagen so zu disponieren, dass sie auf der U6 in Fröttmaning enden, wo die Gleise aufs Gelände der U-Bahnwerkstatt abzweigen. Wenn die elegante Lösung über die Endstation im Norden nicht gelingt und die Züge nach ihrer regulären Endhaltestelle übers Streckennetz zurückgeleitet werden müssen, bekommen die Fahrgäste auch mal einen Zug zu sehen, auf dessen Front "Nicht einsteigen" steht.

Liniendisponent: Er überwacht den Fahrplan für seine Linien und er ist der Ansprechpartner für die U-Bahnfahrer. Mit den Fahrern kommuniziert er per Funk, er unterstützt sie auch beim Lösen technischer Probleme. Geraten Züge aus dem Fahrplan, dann versucht er, der Verspätung entgegenzuwirken. Die Möglichkeiten sind allerdings durch das Schienensystem begrenzt. Zu den Optionen des Liniendisponenten gehört eine kurzfristige vorzeitige Wende des Zugs. Die Fahrgäste, die deshalb ungeplant vor der Endstation aussteigen müssen, freut das zwar nicht. Doch alle Nutzer in Gegenrichtung und auf dem weiteren Rundkurs kommen so wieder fahrplanmäßig weiter.

Für die Disponenten und Stellwerker ist die Arbeit in der Nacht übrigens mindestens so spannend wie tagsüber: Denn Betrieb herrscht dann auch, nur nicht fahrplanmäßig. Bei den Baustellen im 2,5-Stunden-Fenster der "Betriebsruhe" sind laufende Abstimmungen mit den Sicherheitsverantwortlichen im Tunnel notwendig. Dabei geht es unter anderem darum, welcher Bereich im Gleisnetz jeweils für die Arbeiten gesichert und stromlos geschaltet wird.

Die Mitarbeiter im Dispo-Info-Team sprechen viel am Telefon oder Funkgerät. Zum Arbeitsplatz gehört eine schematische Darstellung des Liniennetzes, das die Echtzeitpositionen aller Züge und etwaige Verspätungen anzeigt.

Dispo-Info: Er ist ein Multitasking-Talent mit vielen Aufgaben im Fahrgastbetrieb. Ihn hören die Fahrgäste am Bahnsteig, wenn er etwa bei einem Zugausfall aktuelle Durchsagen spricht. Er schreibt zudem die Tickerzeile, die bei einer Störung an den Zugzielanzeigern am Bahnsteig läuft. Und wer den Notruf oder Inforuf an der Notfallsäule oder im Aufzug drückt, kommt ebenfalls am Dispo-Info-Arbeitsplatz raus.

Alle U-Bahnhöfe und Betriebsanlagen sind videoüberwacht. Im Normalfall schalten die Videobilder von Bahnhof zu Bahnhof. Bei einer Störung können Kameras aber gezielt angesteuert werden.

Beim Notruf bekommt der Mitarbeiter auf einem Monitor automatisch die dortige Kamera zugeschaltet. Er steuert zudem weitere Mitarbeiter, Verkehrsmeister und Kundenbetreuer im Außendienst. Die Kollegen werden etwa zu einem Bahnsteig geschickt, um dort ein Handy aus dem Gleis zu bergen, wenn der Besitzer dies per Notfallsäule gemeldet hat. Wenn der Fahrgastbetrieb endet, überwacht der Dispo-Info außerdem, dass alle Bahnhöfe ordnungsgemäß versperrt werden. Er sorgt auch dafür, dass zu Betriebsbeginn in der Früh die Zugänge zu den Bahnsteigen wieder geöffnet sind.

Neben den Viererteams gehören noch weitere Positionen zur Mannschaft im Betriebszentrum:

Störungsmanager: Er hat als Schichtleiter alle Linien im Blick. An ihn melden auch die Mitarbeiter der "Linien-Inseln", wenn eine Störung eine größere Dimension annimmt, etwa bei einem Feuerwehreinsatz. Sind mehrere Linien betroffen und womöglich auch Busse und Trambahnen beeinträchtigt, dann übernimmt der Störungsmanager die übergreifende Koordination. Er verfasst auch die Infotexte für die MVG Homepage, die zeitgleich und automatisch in der App MVG Fahrinfo München und auf Twitter unter MVGticker laufen.

U-Bahnwache: An einem Steuerungs-Arbeitsplatz der U-Bahnwache im Betriebszentrum werden die Sicherheitsmitarbeiter, die im gesamten Netz unterwegs sind, per Funk koordiniert. So können die Streifen im Bedarfsfall schnell vor Ort kommen. Die U-Bahnwache kann hier via Kamera auch in die Betriebsanlagen im Untergrund schauen.

Die U-Bahnwachen sind mit Streifen im gesamten Netz unterwegs. Bei Bedarf schickt sie der Koordinator im Betriebszentrum zu einem bestimmten Einsatzort.

Personaldisponent: Er koordiniert im Betriebszentrum die täglich eingeteilten Bereitschaften der Fahrdienst-Reserve. Erkrankt etwa ein U-Bahnfahrer unterwegs, dann meldet er sich per Funk beim Personaldisponent. Dieser sendet dann kurzfristig einen Reservisten an einen für die Ablöse geeigneten U-Bahnhof.

Für die MVG Fahrzeuge, die nicht im Tunnel, sondern auf der Straße unterwegs sind, gibt es ebenfalls eine Steuerungszentrale. Sie liegt ebenfalls in der Stadtwerke-Zentrale gleich neben dem U-Bahnbetriebszentrum.

Die Leitstelle Bus und Tram:

Auch in der Leitstelle stehen die Mitarbeiter in Funkkontakt mit den Fahrerinnen und Fahrern. Sie weisen sie bei einem Unfall an, wie zu handeln ist oder finden bei einem Stau einen alternativen Weg. Zwei Steuerungsaufgaben, die für den U-Bahnbetrieb unverzichtbar sind, entfallen jedoch an der Oberfläche.

Der erste wesentliche Unterschied: Wer am Steuer von Bus oder Straßenbahn sitzt, fährt eigenverantwortlich auf Sicht, anders als der U-Bahnfahrer im dunklen Tunnel. Eine zentrale Haltestellenüberwachung wie bei der U-Bahn gibt es auf der Straße nicht. Hier läuft der Informationsaustausch ausschließlich über Funk.

Der zweite Unterschied: Ein Bus kann bei einem Stau relativ flexibel einen alternativen Weg finden oder bei großer Verspätung vorzeitig wenden - dafür genügt die Anweisung per Funk von der Leitstelle. Bei der Tram ist zwar ein Umweg nur auf Schienen möglich, trotzdem kann der Fahrer hier die vor ihm liegenden Weichen per Knopfdruck im Cockpit selbst stellen, nur den gewünschten Weg gibt ihm die Leitstelle vor. Wenn Bus oder Tram auf anderen Wegen fahren, als es der Fahrplan vorsieht, dann kümmern sich die Disponenten der Leitstelle Bus und Tram darum, dass die Fahrgäste das auch erfahren. Sie werden per Lautsprecherdurchsagen und Infotexten auf den Abfahrtsmonitoren über solche kurzfristigen Betriebsänderungen informiert.