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Vor der Nase weggefahren

02. September 2013

Man hat es ja nicht jeden Tag so extrem eilig. Aber genau heute, also heute hätte man wirklich pünktlich kommen sollen zu diesem Meeting, in dem Herr Dr. Döberling-Eschenbach die Unternehmensziele fürs nächste Jahr vorstellt.

Punkt 8 Uhr 30 stand in Outlook, also nix mit akademischem Viertelstündchen. Um auf die Minute genau im Konferenzraum zu sein, hätte man den Bus um 7 Uhr 52 erwischen müssen. Man hatte ihn theoretisch auch schon erreicht, also fast, als dann aber ganz praktisch die Türen schlossen. Nur die Rücklichter schimmern noch in der Ferne. Kann der Bus denn nicht mal eine Sekunde warten?

Nein, das kann er in der Regel leider nicht. Und das ist auch keine böse Absicht des Fahrers, der sicherlich die Fahrgäste gerne mitnehmen würde, die hinten angerannt kommen. Denn der Zeitplan für den Bus ist eng getaktet, und warten hieße im Zweifelsfall Verspätung. Und eine einmalig verursachte Verspätung würde sich von Haltestelle zu Haltestelle verschleppen. Und zu Recht erwartet jeder, dass er möglichst pünktlich abfährt und ankommt. Würde man auf alle Fahrgäste warten, die U-Bahn, Tram oder Bus nachlaufen, könnte man sich auf keine Fahrpläne mehr verlassen.

Die Präsentation von Herrn Dr. Döberling-Eschenbach hat man also anscheinend zur Hälfte verpasst. Allerdings sieht man aus der Ferne die Tür des Besprechungsraums weit offen stehen und hört Stimmen und Gelächter. Was da bloß los ist? „Herr Dr. Döberling-Eschenbach kommt eine Stunde später, er steckt hoffnungslos im Stau fest.“ Durch seine Sekretärin ließ er ausrichten, dass heute auf dem Mittleren Ring die Hölle los ist und man nicht vor halb 10 Uhr mit ihm rechnen soll. Puh, dann kann man ja erst noch eine Tasse Kaffee trinken. Die zehn Minütchen Verspätung sind gegen eine Stunde ja wohl wirklich Peanuts …