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Tüfteln für die Fahrkartenautomaten

24. März 2014

Von außen betrachtet mag der Job eines MVG Fahrkartenautomaten nicht besonders anspruchsvoll sein: Geld annehmen, Fahrschein ausdrucken - und fertig! Tja, weit gefehlt ... Tatsächlich stecken dahinter komplizierte Technik sowie ausgefeilte Softwareprogramme.

Die Mitarbeiter der MVG Automatenwerkstatt kennen alle 5.837 MVG Fahrkartenautomaten und Entwerter der MVG. Jeder Automat ist ein komplizierter Apparat, der in der hauseigenen Werkstatt auf Herz und Nieren geprüft wird, bis jedes noch so kleine Rädchen perfekt läuft und die Software funktioniert. Mit der jüngsten Generation Fahrkartenautomaten aus dem Jahr 2010 gibt es einen wahren Quantensprung: Sie sind ans LAN-Netz der SWM angebunden und akzeptieren auch Kredit- und EC-Karte. Der älteste Stempelautomat ist übrigens von 1971 und tut seinen Dienst im P-Wagen der Trambahn noch sehr zuverlässig.

49 Mitarbeiter in der Werkstatt und im Außendienst kümmern sich darum, dass alles reibungslos funktioniert. Der Job ist nichts für Langschläfer: Ab 4 Uhr morgens fährt ein Entstörungsteam die Automaten ab. Die neuen Modelle melden von selbst online ans System, wenn sie defekt sind, die älteren Typen werden stichprobenartig kontrolliert und nach Nutzerrückmeldung repariert. Gleich vor Ort ersetzen die Mitarbeiter ganze Teile, ziehen Schräubchen nach und säubern das empfindliche Innenleben – denn schon ein Staubkörnchen an der falschen Stelle kann verheerende Schäden anrichten. Die Werkstattmitarbeiter sind allesamt leidenschaftliche Tüftler: Die eingebaute Heizung belüftet nur in eine Richtung? Kein Problem, ein nachträglich eingebautes Blech leitet die warme Luft in die richtigen Wege. Von den ausgemusterten Modellen sind die Rückgabefächer erst vier Jahre alt? Dann verwenden wir sie doch einfach als Ersatzteile wieder!

40.000 bis 60.000 Fahrscheine werden täglich an den Fahrkartenautomaten der MVG verkauft – an Kreuzungsbahnhöfen wie der Münchner Freiheit ist das zu Stoßzeiten alle 50 Sekunden ein Ticket an jedem der sieben dort aufgestellten Automaten. Damit das schnell geht, lautet das Prinzip beim Bedienvorgang: Je einfacher, desto besser! Aber was sich im Inneren der Automaten verbirgt, ist keineswegs simpel gestrickt – denn hier sorgen hunderte kleiner Zahnräder und aufwendige Softwareprogramme dafür, dass Ticket und passendes Wechselgeld flott ausgespuckt werden. Eingegebene Scheine flitzen in den Eingeweiden des Apparats blitzschnell über Laufbänder, Spulen und Rädchen an den richtigen Platz.



In jeden Fahrkartenautomat ist ein kompletter Computer eingebaut – wenn etwa Fahrplanänderungen anstehen, bekommt der Automat ein Software-Update aufgespielt: Ganz wie der PC zu Hause auch. Ältere Modelle haben noch die Tastenfunktion: Ihnen muss man aufwendig neue Tasten einbauen, wenn es neue Ticketarten gibt, wie Anfang 2014 das viertägigen CityTourTicket. Droht dem Automat das Wechselgeld oder Druckerpapier auszugehen, gibt er einfach online eine Meldung ans System weiter.

Bei der Auswahl von neuen Automatentypen ist die MVG sehr anspruchsvoll. Über 200 Tests musste der neueste stationäre Fahrkartenautomat über sich ergehen lassen. Denn es galt viel zu berücksichtigen: Ist er auch barrierefrei? Rollstuhlfahrer müssen zudem leicht an den Münzeinwurf kommen. Da die Verkaufsapparate an der Oberfläche Wind und Wetter ausgesetzt sind, müssen sie wasserdicht sein. Wie man das herausfindet? Die Werkstattmitarbeiter haben kurzerhand mit dem Wasserschlauch einen Platzregen simuliert: Der Testsieger blieb innen schön trocken, während andere komplett unter Wasser standen.

Dieser und weitere Artikel sind im Kundenmagazin MVGinfo 2014/1 erschienen.