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Miteinander im Stadtverkehr: So geht’s am besten

16. Juni 2014

Zwei Autospuren in jede Richtung, in der Straßenmitte fährt die Tram und dann ist da noch die Bushaltestelle an der Kreuzung vor dem Fußgängerüberweg: Im Münchner Stadtverkehr ist oft ganz schön was los.

Jeder will ans Ziel, und das möglichst schnell und störungsfrei. Am besten geht das Miteinander mit Rücksicht und dem Wissen darüber, was einige Verkehrsmittel einfach nicht können. Bei der Straßenbahn ist das zum Beispiel: ausweichen. Oder schnell bremsen.

Gut 30 Meter Länge, bis zu 16 Räder und in Spitzenzeiten 200 Menschen an Bord: Die Straßenbahn ist ein Koloss unter den Verkehrsmitteln. Doch weil sie in München quasi seit jeher zum Stadtbild gehört, nimmt man es im Alltag gar nicht so sehr wahr: Die Tram ist auf Schienen anderen Bedingungen unterworfen als Auto oder Rad.

So hat die Tram einen Bremsweg, der um ein Vielfaches länger ist als beim Auto. Ein Praxistest der Kölner Verkehrsbetriebe zeigte: Ein Pkw, der mit 50 km/h unterwegs war, hatte nach 14 Metern auf 0 abgebremst. Die Straßenbahn mit gleichem Tempo brauchte dafür 43 Meter, also die dreifache Strecke.

Das ist auch der Grund, warum das typische Tram-Klingeln zu hören ist, wenn ihr ein Fußgänger oder Auto gefährlich in die Quere kommt: Der Fahrer muss sich akustisch bemerkbar machen, denn mit dem Gewicht seiner Straßenbahn und mit Passagieren an Bord kann er nicht so schnell bremsen wie ein Autofahrer. Ausweichen geht ebensowenig – die Schienen geben den Weg vor.

Parken: eine Zentimeterfrage
Doch nicht nur, was in Bewegung ist, kann der Tram in die Quere kommen. Auch ein falsch geparktes Auto kann sie ausbremsen. Im Münchner Straßennetz gibt es diverse Stellen, wo die Schienen nah an Parkstreifen vorbeiführen, etwa an der Rumfordstraße nahe dem Isartor. Hier können schon fünf Zentimeter zu viel Entfernung vom Bordstein eine Linie ausbremsen. Kommt der Zug nicht am Auto vorbei, wird der Abschleppdienst gerufen. Zahlen muss das der Fahrzeughalter. Den Ärger haben hingegen alle Fahrgäste. Sowohl jene, die im betroffenen Zug feststecken, als auch die Wartenden an sämtlichen Folgehaltestellen. Und schnell stehen weitere Züge auf der Linie hinten an – umdrehen kann die Straßenbahn auf der Strecke nicht. 160 Mal war im vergangenen Jahr ein Falschparker der Grund für Tramverspätungen.

Vorsicht an den Kurven
Zwar nicht auf Schienen, dennoch mit besonderen Fahreigenschaften kommt der Bus daher. Die Hinterräder folgen in Kurven nicht exakt der Spur der Vorderräder, sondern schneiden die Kurve. Wenn ein Auto näher als erlaubt an der Biegung parkt, kommt ein 18-Meter-Gelenkbus womöglich nicht mehr ums Eck. Gelenkbusse und Buszüge brauchen mit ihrem Hinterteil eben mehr Platz, auch beim Abbiegen. Das ist wichtig zu bedenken, wenn man hinter einem Bus oder auf der Nebenspur fährt.

Und, nicht zuletzt: der berüchtigte „tote Winkel“ schluckt die Sicht in großen Fahrzeugen vor allem beim Rechtsabbiegen. Der Fahrer von Bus und Tram kann trotz Spiegel nicht sämtliche Bereiche um sein Fahrzeug herum einsehen. Für jeden, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, gilt daher: Lieber abwarten und den Rechtsabbieger vorbei lassen als darauf zu vertrauen, dass man gesehen wird! Denn Sicherheit geht vor.