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Tramsignale: Punkt, Balken, Strich

22. Dezember 2014

Mitunter ärgert man sich, wenn man an der Haltestelle draußen bleiben muss: Warum hat der Fahrer die Trambahntüren schon verriegelt, bleibt aber noch ein halbe Minute stehen, bevor er weiterfährt?

Der Hintergrund ist: weil es die Ampelschaltungen in der Stadt in sich haben. Ein Straßenbahnfahrer der MVG erzählt, worauf er im Stadtverkehr so alles achtgeben muss und warum er mitunter einem Nachzügler die Tür nicht mehr öffnen kann. "Trambahnfahren mag recht entspannt aussehen, tatsächlich bedeutet der Job aber ständige Konzentration.“ Das ist die Bilanz von Thomas Bosch, der seit gut anderthalb Jahren für die MVG fährt – und das leidenschaftlich gern. Was auf dem Schienenweg alles angezeigt wird, war auch ihm früher als Autofahrer nicht klar. Die Signale, auf die er heute im Fahrerstand achten muss, kommen von allen Seiten: die Ampeln auf Augenhöhe, am Spannseil der Oberleitung Tempo-Hinweise und unten auf den Schienen die vielen Weichen.

Auch wenn der Trambahnfahrer keine Gänge einlegt – die Weichen stellt er selbst. Und dabei hat er noch die anderen Verkehrsteilnehmer im Blick: Fußgänger und Radfahrer, Autos und Lkw von allen Seiten. Jede Sekunde ist volle Aufmerksamkeit gefordert. Doch was bedeuten die Signale eigentlich, die für die Straßenbahn gelten?



„Für jede mögliche Fahrtrichtung ist eine eigene Signalsäule eingerichtet“, erläutert Thomas Bosch. Das Tram-Äquivalent zu Rot und Grün: ein weiß leuchtender Querbalken für „Stopp“ und ein hochkant stehender oder je nach Fahrtrichtung links oder rechts geneigter Balken für „freie Fahrt“. Auch „Gelb“ gibt es für die Tram an Ampeln, die nicht unmittelbar nach einer Haltestelle stehen – als weißer Punkt.

Wer sich so eine Signalsäule einmal ansieht, stellt jedoch fest: Da sind ja noch andere Symbole zu sehen. Wichtig ist für die Tram das „K“ wie „Kontakt“. Es zeigt dem Fahrer, dass sein Zug an der Signalanlage angemeldet ist. Zum Abbiegen hält die Ampel den Gegenverkehr an und sorgt so dafür, dass die Tram geschmeidig über die Fahrbahn kommt. Der Clou ist der frühe Kontakt zwischen Tram und Ampel: Der Zug meldet sich an einer per GPS definierten Position bereits einige hundert Meter vorher an. Im Idealfall haben bis dahin die anderen Verkehrsteilnehmer Rot, und er kommt ohne Bremsen und Anfahren über die Kreuzung. Das macht die Fahrt schneller, sicherer, stromsparender und angenehmer für die Fahrgäste. Alle Münchner Tramlinien sind auf diese Weise beschleunigt, die Buslinien kommen nach und nach.

Wie lange welches Signal leuchtet, bestimmt jedoch nicht die MVG allein. Die Ampelschaltungen in München obliegen dem Kreisverwaltungsreferat. Auch die Autofahrer profitieren von den modernen Anlagen mit passgenauen Zeittaktungen.
Noch ein weiterer Buchstabe ist wichtig für Straßenbahnfahrer – das leuchtende „F“ für „Fahrt erwarten“ an der Haltestelle. Es zeigt an: Türen verriegeln, bereithalten, gleich geht es weiter. Wie lange es dauert, bis nach dem „F“ das Fahrtsignal kommt, und wie lange es bleibt, unterscheidet sich je nach Straßenumfeld und Einstellung der Anlage. Die Fahrer wissen aus Erfahrung, wie lange es wo dauert – und dieses Wissen haben sie den Fahrgästen voraus.

Wenn ein Zug also noch nicht startet, die Türen aber nicht mehr öffnet, dann steht das Fahrtsignal bevor. Wer hier noch Nachzügler mitnimmt, verpasst seine „Grünschaltung“ und muss mitsamt allen Fahrgästen länger warten. Bis das Signal erneut umspringt, kann es oft mehrere Minuten dauern, also: Verspätung. Daher betont Thomas Bosch: „Wenn Ihnen der Fahrer nicht mehr aufmacht, obwohl Sie angelaufen kommen, dann tut er das nicht aus Bosheit. Er weiß, dass hier die Signaltaktung zu kurz ist, um Sie mitzunehmen, ohne eine Verspätung aufzubauen.“ Denn Pünktlichkeit ist für seine Fahrgäste eines der wichtigsten Kriterien – zu Recht.