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Wie entsteht eine Bushaltestelle?

29. April 2015

Vielleicht haben Sie sich ja auch schon mal gewünscht, dass ein Bus direkt vor Ihrer Haustüre abfährt? Das ist allerdings gar nicht so einfach. Denn bis die Haltestelle tatsächlich an Ort und Stelle eingerichtet ist, gibt es viel zu tun.

An der Umsetzung sind nicht nur verschiedene Bereiche der MVG beteiligt: Auch mit dem städtischen Baureferat, der Polizei und dem Kreisverwaltungsreferat muss jede neue Haltestelle, die sich ja im öffentlichen Raum befindet, abgestimmt werden.

Wenn man alle Münchner Bushaltestellen in beiden Richtungen zusammenzählt, ergeben sich über 2.200 Haltepunkte. Davon sind rund 1.200 mit einem Wartehäuschen und um die 450 mit Sitzbänken ausgestattet. Im Durchschnitt steht alle 500 Meter eine Haltestelle am Straßenrand. Da die Einwohnerzahl in der bayerischen Landeshauptstadt stetig steigt, die Nachfrage zunimmt und damit auch das Angebot permanent ausgeweitet wird, kommen jedes Jahr weitere Haltestellen hinzu. Aber was passiert eigentlich alles, bis der Bus an einer neuen Haltestelle stoppen kann?

Viele Wege führen zu einer Bushaltestelle
Thomas Krauß, Teamleiter der MVG-Angebotsplanung für den Bereich Bus, erklärt: „Es gibt mehrere Wege. Entweder kommen die Leute in den Bürgerversammlungen oder im Bezirksausschuss auf uns zu. Manchmal erreichen uns auch Anfragen von einzelnen Kunden, z.B. über unsere Beschwerdestelle ‚Lob & Tadel‘. In jedem Fall prüfen wir natürlich, ob das sinnvoll ist. Und da ist vor allem die zu erwartende Nachfrage ein entscheidender Faktor. Wenn ein neues Wohn- oder Gewerbegebiet gebaut wird, stellen wir den Bedarf selbst fest: Da muss eine neue Haltestelle hin.“

Wo genau die Bushaltestelle dann angesiedelt wird, das überlegt sich ein Planungsteam der MVG, welches u.a. auch für die Busbeschleunigung zuständig ist. Valentin Seifert und Thomas Werner, beides Ingenieure im Bereich Strategische Planung, prüfen dann gemeinsam mit ihrem Team sowie dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) und dem Baureferat, wo exakt die Haltestelle am besten eingerichtet werden kann und wie sie gestaltet wird. Dabei wird auch darauf geachtet, ob sich in der Umgebung ein Zebrastreifen oder eine Ampel befindet, so dass Fußgänger die Bushaltestelle gut erreichen können.

Umrüsten für Buszüge
Weil in München seit einiger Zeit auch Buszüge mit Anhänger fahren, die 23 statt der üblichen 18 Meter lang sind, müssen viele Haltestellen auf diese Länge nachgerüstet werden. Hier haben Valentin Seifert und Thomas Werner mit ihrem Team ganz schön was zu tun. Es kann dabei auch notwendig werden, dass ein Baum gefällt oder eine Hecke versetzt werden muss. Wichtig ist der gemeinsame Ortstermin, an dem Vertreter von MVG, KVR, Baureferat und Polizei teilnehmen. Busplaner Thomas Krauß erklärt: „Nicht alles kann man anhand von Bauplänen beurteilen, das muss man sehen: Ist an der Stelle genug Platz? Kann der Bus anhalten, ohne z. B. eine Anwohner-Ausfahrt zu blockieren?“

Wenn alle Vertreter dem Standort ihre Zustimmung geben, wird zunächst eine vorläufige Haltestelle eingerichtet. Diese besteht in der Regel aus einem einfachen Haltestellenständer mit Fahrplaninformation. Dann kann es aber losgehen, oder? Nein, etwas ganz Wichtiges muss vorher noch passieren: Bevor die neue Haltestelle von den Bussen angefahren werden kann, muss der Fahrplan an die veränderten Abfahrtszeiten angepasst werden. Thomas Krauß erklärt: „Ein zusätzlicher Halt verschiebt die Abfahrtszeiten der Linie. Zusätzlich muss man auch die Anschlüsse zu U-Bahn, Bus und Tram im Auge haben und gegebenenfalls auch diese anpassen, vor allem, wenn es sich um einen wichtigen Knotenpunkt handelt.“


Eine Testphase klärt den Bedarf
Dann beginnt quasi eine Testphase. Erst nach zwei Jahren weiß man anhand der Nutzerzahlen, ob die Haltestelle tatsächlich angenommen wird. Die Haltestelle wird, wo es möglich ist, barrierefrei ausgebaut: Sie erhält dann in der Regel einen höheren Bordstein, um z.B. Rollstuhlfahrern, Eltern mit Kinderwagen oder älteren Personen den Zustieg zu erleichtern. Aber nicht nur mobilitätseingeschränkte Personen profitieren von der barrierefreien Haltestelle, sondern alle Fahrgäste: Wenn man fast ebenerdig in einen Bus spazieren kann, geht das Zusteigen viel schneller. Der Bus kann pünktlich abfahren und hat in Summe eine kürzere Fahrzeit. So kommen alle flotter voran.

Seit über 10 Jahren gibt es bei Bushaltestellen der MVG nun schon barrierefreie Haltestellen. Unter den großen deutschen Städten war München damit ganz vorn dabei. Übrigens haben die barrierefrei ausgebauten Bushaltestellen auch eine Besonderheit, die man auf den ersten Blick gar nicht bemerkt: Die Vorderseiten der Bordsteine sind so glatt geschliffen, dass sie die Reifen des Busses nicht kaputt machen. Er kann ganz nah an die Bushaltestelle fahren, so dass die Fahrgäste bequem zusteigen können.

Jede barrierefreie Bushaltestelle wird zusätzlich mit einem  Blindenleitsystem ausgestattet (siehe Foto). Der Streifen zeigt an, wo sich die erste Tür befindet. Je nach vorhandenem Platz und in Abhängigkeit vom Fahrgastaufkommen werden an dem neuen Haltepunkt außerdem ein elektronischer Fahrplananzeiger, ein Wartehäuschen oder eine Bank installiert.