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Mensch, ärgere dich nicht!

11. Juni 2015

Wir kennen sie alle, die kleinen Ärgernisse auf den täglichen Wegen: Seit drei Minuten sollte der Bus kommen, aber weit und breit ist auf der Straße nichts zu sehen. Oder: Der Fahrer schließt die Türen, obwohl man noch zur Haltestelle hetzt. Und warum klingelt die Tram so unfreundlich, obwohl man nur schnell über die Schienen will? Wir erklären klassische Missverständnisse bei U-Bahn, Bus und Tram.

Oft gibt es nämlich eine Erklärung, die ganz anders ist als gedacht. Und vielleicht ärgert man sich mit dem entsprechenden Wissen beim nächsten Mal gar nicht mehr - oder zumindest weniger. Wir stellen unsere Top 10 vor.

1: Kommen die Busse mitunter, wie sie wollen?

Nein. Die Busse fahren so, wie sie können. Bei Stau oder einer Baustelle sind sie – wie auch die Autofahrer – langsamer. Damit sind sie mitunter nicht mehr in dem Takt unterwegs, den der Fahrplan vorsieht. Das kann vor allem im Berufsverkehr passieren, aber auch bei einer Straßensperrung oder verengten Fahrbahnen. Falls man an der Haltestelle wartet und sich wundert, weil links wie rechts doch alles frei scheint: Bitte bedenken, die Strecken führen teils quer durch die Stadt. Läuft es irgendwo nicht rund, dann wirkt sich das häufig auf die ganze Linie aus. Ein Bus ist deshalb immer nur so pünktlich, wie es der Stadtverkehr erlaubt.

2: Kann der Fahrer nicht noch eine halbe Minute auf mich warten?

Meistens nicht. Denn bei Tram und Bus ziehen 30 Sekunden mitunter mehrere Minuten Verspätung nach sich: Sie melden sich im Zuge der Linienbeschleunigung schon während der Fahrt an den nächsten Ampeln an. Kommt das Fahrzeug jedoch nicht in der vorgesehenen Zeit dort an, dann erlischt die Freigabe. Jetzt dürfen nacheinander alle anderen fahren, bevor Bus oder Tram wieder dran sind – mit entsprechender Verspätung. Und das kann nicht im Sinne aller Fahrgäste sein. Deshalb kommt es vor, dass der Fahrer noch im Haltestellenbereich steht, die Türen aber nicht mehr öffnet. Das engste Zeitfenster von allen hat übrigens die U-Bahn: Ihre Abfahrt ist auf 20 Sekunden genau getaktet. Sonst bremst ein verspäteter Zug die Folgenden aus.

3: Warum wird der Fahrer sauer, wenn ich im Bahnsteigspiegel meine Frisur prüfe?

So faszinierend er auch sein mag – dafür ist der große Spiegel nicht da. Er ist ein wichtiges Arbeitsgerät des Fahrers, der so vom Fahrerstand aus den 120 Meter langen U-Bahnsteig überwachen kann. Wenn er aussteigen muss, um freie Sicht bis zum Zugende zu bekommen, dauert es länger, bis er abfahren kann. Aus dem gleichen Grund bitte auch nicht nach dem Ausstieg zwischen Sicherheitsstreifen und Zug entlangschlendern. Der Zug darf nämlich erst weiter, wenn dieser Bereich frei ist.

4: Warum nimmt der Busfahrer mich mit Kinderwagen nicht mit?

Vor allem im Bus ist der Platz sehr begrenzt. Der Fahrer trägt die Verantwortung, alle seine Fahrgäste sicher ans Ziel zu bringen. Er muss darauf achten, dass die Ein- und Ausstiegswege nicht versperrt werden. Das kann bedeuten, dass ein Kinderwagen leider nicht mehr mit kann, wenn der Bus sehr voll ist. Wo es geht, versucht die MVG, die Kapazität zu erhöhen: Die Avenio-Trambahnen haben vergrößerte Stellbereiche, ebenso die Buszüge. Und auch die ganz neuen Gelenkbusse, die seit Frühjahr 2015 im Einsatz sind, haben durch Klappsitze mehr Platz, den Rollstühle und Kinderwagen nutzen können.

5: Warum klingelt der Tramfahrer Auto- und Radfahrer an?

Die Tram kann nicht ausweichen, und ihr Bremsweg ist lang. Wenn Sie die Tramglocke hören, dann will der Fahrer Sie warnen – oder er hat schon eine Vollbremsung eingelegt. Dabei löst die Warnglocke automatisch aus. Das vorausschauende Verhalten des Fahrers verhindert häufig, dass es kracht. Wird er ausgebremst und muss eine Vollbremsung einleiten, können sich Fahrgäste verletzen. Geht es glimpflich aus, ist es trotzdem ärgerlich für alle: Die Ampeln berechnen ja vorab, wann die Tram Grün bekommt. Kommt sie zu spät, steht sie an den nächsten Kreuzungen vor Rot. Übrigens: Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Autos oder Radler im Regelfall die Tram nicht links überholen. Auch deshalb braucht die Straßenbahn links keinen Außenspiegel.

6: Und wieso klingelt der Straßenbahnfahrer weiter, obwohl ich aus dem Gleis raus bin?

Wenn der Trambahnfahrer eine Vollbremsung macht, dann wird die Warnglocke automatisch aktiviert. Das heißt, sie klingelt so lange, bis der Fahrer nach der so genannten Gefahrenbremsung die Bremse wieder gelöst hat.

7: Warum macht der Busfahrer die Tür vor mir zu? Ich wollte noch einsteigen.

Wenn innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nichts in der Lichtschranke registriert wird, dann schließen alle Türen von Bus und Tram automatisch. Gezielt ansteuern kann der Fahrer nur die erste Tür. Hier kann er auch helfen, falls jemand Unterstützung beim Ein- oder Ausstieg braucht. Unmittelbar vor der Abfahrt verriegelt der Fahrer alle Türen, um losfahren zu dürfen. Bei verriegelten Türen hilft auch Knöpfchen drücken nichts.

8: Warum hat mich die Tür eingeklemmt, als ich in den Zug gesprungen bin?

Da müssen wir ganz deutlich sagen: Das „Bitte zurück bleiben“ ist genau so gemeint. Die Ansage heißt: zurückbleiben und auf den nächsten Zug warten (der kommt ja meistens in ein paar Minuten). Die Ansage ist keine Aufforderung, noch schnell zuzusteigen. Wer bei schließenden Türen einsteigt, zwickt sich selbst ein. Womöglich verursacht er damit ungewollt noch eine größere Störung: Sicherheitssensoren in den Türen sind dazu da, die Weiterfahrt zu verhindern, wenn etwas klemmt. Wird die Tür mit Gewalt offen gehalten oder aufgedrückt, dann können die sensiblen Elemente überreagieren und die Türen nicht mehr zur Weiterfahrt freigeben. Das kann zur Folge haben, dass alle Fahrgäste aussteigen müssen und der Zug erstmal in die Werkstatt fährt. Das bedeutet für alle anderen Nutzer auf der Linie einen Ausfall. Unnötig und ärgerlich.

9: Weshalb ist der Fahrer unwirsch geworden, nur weil ich die U-Bahn fotografiert habe?

Wenn der Fahrer sauer wird, wurde der Zug vermutlich mit Blitzlicht fotografiert. Im Gegensatz zum Fahrgastraum herrscht im Fahrerstand einer U-Bahn im Tunnel völlige Dunkelheit. Daran gewöhnen sich die Augen natürlich. Wenn jemand mit Blitz fotografiert, erschrickt der Fahrer und wird geblendet. Sie möchten vermutlich auch nicht in einem dunklen Zimmer unvorbereitet geblitzt werden, oder? Aus diesem Grund ist das Fotografieren mit Blitz oder Hilfslichtern im U-Bahnbereich auch verboten. Ohne Blitz sind Aufnahmen erlaubt, wenn man sich vorab um eine Fotogenehmigung kümmert – diese gibt es hier.

10: Der Bus ist zu früh abgefahren!

Alle unsere Fahrzeuge werden sekundengenau überwacht, Halte und Abfahrten werden aufgezeichnet. Natürlich gibt es eine Toleranz im Fahrplan, aber nach vorne liegt diese nur im Sekundenbereich. Eine Verfrühung sollte möglichst nicht vorkommen – der Fahrer bekommt ein Tonsignal vom Bordcomputer, falls er deutlich vor der geplanten Zeit von einer Haltestelle abfährt. Sehr oft stellen wir allerdings fest, wenn wir entsprechende Fahrgastbeschwerden nachverfolgen: Der betreffende Bus war in Wirklichkeit zu spät unterwegs. Im 10-Minuten-Takt ist der Bus also etwa nicht drei Minuten zu früh, sondern sieben Minuten zu spät an die Haltestelle gekommen. Denn wir wissen ja seit Punkt 1 unserer zehn häufigsten Missverständnisse: Unsere Busse sind nur so schnell… genau: wie der Stadtverkehr es zulässt.