Startseite1108x277px_2014_Avenio.jpg

Stockholms Tunnelbana: Auch andere Städte haben schöne U-Bahnhöfe

26. August 2015

Ein Geständnis zum Einstieg: Man wird schon ein bisschen speziell, wenn man in Verkehrsunternehmen arbeitet. Der Blick auf Städte und ihre Öffentlichen verändert sich. Das fällt anderen und irgendwann auch einem selbst auf. Zum Beispiel im Urlaub:

Wenn man, sagen wir, in Montreux unbedingt noch auf den nächsten O-Bus (für alle Noch-Nicht-Infizierten: O steht für Oberleitung) warten will. Nein, nicht zum Einsteigen – zum Fotografieren. Und die Mitreisenden mäßig dezent die Augen verdrehen.

Doch in Stockholm widerfährt dieses Phänomen auch jenen, die beruflich nichts mit Nahverkehr zu tun haben: Besucher steigen an der Station Kungsträdgarden ein, nehmen die laaaaange Rolltreppe nach unten, gehen dann ein paar Schritte nach rechts – und bleiben abrupt stehen. Der Griff geht wie von selbst zum Smartphone: Das muss fotografiert werden!

Ja, München hat unzweifelhaft tolle U-Bahnhöfe aus diversen Bauepochen (hierhierhier oder hier haben wir Beispiele gesammelt). Einige Tunnelbana-Stationen in der schwedischen Hauptstadt stehen den Münchner Schönheiten jedoch in nichts nach. Beweise gefällig? Bitte sehr.


 
Das blaue T im weißen Kreis verweist auf die Tunnelbana, also die U-Bahn. An der Station Kungsträdgarden (Königsgarten), von außen unscheinbar bis auf den steinernen Eingangswächter, wird es weiter unten ganz schön bunt. Und zwar vom Boden bis zur Decke. Genauso schaut der erstmalige Stockholmbesucher: von unten nach oben und zurück. Und dann zu allen Seiten.


 
Für Stockholm gilt wie für München: Viele U-Bahnhöfe nehmen architektonisch Bezug zur Umgebung an der Oberfläche. Im Stockholmer „Königsgarten“ sind links und rechts neben der Fußgängerbrücke zum Bahnsteig herrschaftlich anmutende Säulen und Portale wie bei einer Ausgrabung arrangiert. Neben Laternen (mit nicht allzu herrschaftlich leuchtenden Neonspiralen) wächst Grün, es plätschert sogar ein kleiner Brunnen. Ja, richtig: im U-Bahngeschoss.





Auch die Hauptbahnhof-Station T-Centralen ist eine Augenweide, höhlenartig, riesig dimensioniert und rundum allerliebst in Blau-Weiß bemalt. Durch das U-Bahngeschoss verlaufen überdimensionale Dekorbänder.





Eine Etage höher im Zwischengeschoss wird Arbeitern ein Denkmal gesetzt: Ihre Silhouetten sind wie Schatten an der Wand verewigt. Entlang der Laufbänder, wie man sie von Flughäfen oder dem Münchner Bahnhof Stiglmairplatz kennt, zieht zudem eine Reihe historischer Fotos zur Entstehungsgeschichte der Stockholmer Tunnelbahn am Besucher vorbei.



Aber auch in Schwedens Hauptstadt birgt nicht jeder U-Bahnhof einen gestalterischen Kracher. An manchen Stationen kann man sich als Tourist fast so souverän fühlen wie ein Einheimischer: unbeeindruckt am Bahnsteig stehen und auf die nächste U-Bahn warten. Kein verräterisches Stehenbleiben, kein Handyzücken. Die Regenbogensäule juckt niemanden mehr, der schon die Höhlen unterm Hauptbahnhof erlebt hat. (Ertappt: fast niemanden.)


 
Das Liniennetz der Tunnelbahn hat übrigens drei Farben. Die Stockholmer und ihre Gäste fahren also auf der grünen, roten oder blauen Linie. Die Nahverkehrs-Wochenkarte für die Stadt kostet derzeit 300 Schwedische Kronen, also etwas über 30 Euro – für unbegrenzte Entdeckungstouren in der Unterwelt.