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Sendlinger Tor: Baustelle mit Tiefgang

12. Februar 2016

Wer morgens oder abends durchs Zentrum muss, kennt das Thema: Der U-Bahnhof Sendlinger Tor, eröffnet für die U3/U6 im Jahr 1971 und 1980 um die tiefer liegende Ebene U1/U2 erweitert, gelangt immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen.

Vor über 40 Jahren rechnete schlichtweg niemand damit, dass heute Tag für Tag über 145.000 Nutzer hier ein-, aus- und umsteigen. Der von 2017 bis 2022 geplante Umbau aller drei unterirdischen Ebenen wird die bisher umfangreichste U-Bahnhofsmodernisierung, die SWM und MVG stemmen. Hier kreuzen sich U1, U2, U7, U8 und U3/U6, obendrein ist der Platz auch an der Oberfläche ein Knotenpunkt des Stadtverkehrs. All das bestimmt die Umstände der Bauarbeiten mit.

Vorbereitet wird das Riesenprojekt schon seit Jahren. Die Fahrgäste werden die Bauarbeiten vor allem ab 2017 bemerken, doch schon jetzt sind Vorarbeiten am Sendlinger-Tor-Platz und in der Umgebung zu erledigen. Leitungen, Rohre und Kanäle für Abwasser, Fernwärme und Gas werden verlegt, damit später, wenn die Bagger kommen, dort alles frei ist. Bis zu 25 Meter tief liegt der U-Bahnhof, und soweit muss auch gegraben werden, denn auf dem knapp bemessenen Platz entstehen zwei neue unterirdische Zugangsbauwerke. Dazu gleich mehr.

Das jetzige Gedränge in den Hauptverkehrszeiten ist nicht nur unangenehm, sondern auch zeitraubend. Da sich alles an der gleichen Stelle in der Mitte ballt, stehen die Züge teils länger als nötig, bis alle raus und reingekommen sind. Um dem Problem entgegenzuwirken, haben die Planer diverse Kniffe entwickelt. Das Ziel: mehr Platz und eine bessere Verteilung der Fahrgäste.

Der Bypass: Auf Ebene der U1/U2 werden Betriebsräume (grüne Fläche) zurückgebaut. So entsteht ein neuer Durchgang zwischen den Röhren beider Fahrtrichtungen.

Der Treppen-Dreh: das Herzstück in Sachen Entlastung. Die Treppen zwischen der U1/U2- und U3/U6-Ebene werden neu angeordnet (links: der Ist-Zustand, rechts: die künftige Anordnung), sie werden teils gedreht und erweitert. Dadurch, dass danach nicht mehr alle an einer Stelle auf- und abwärts gelangen, kommen sich die Fahrgäste weniger in die Quere.

Zwei neue Ausgänge: An beiden Enden der Bahnsteige U1/U2 werden zusätzliche Zugangsgebäude gebaut (gelb). Über den neuen Durchgang im Norden kommt man künftig ins Zwischengeschoss unter dem Sendlinger-Tor-Platz, ohne durch die Mitte zu müssen. Und vom zweiten neuen Tunnel im Süden geht es direkt nach oben zur Blumenstraße zwischen Müller- und Pestalozzistraße.

Besonders spannend ist eine Methode, mit der die neuen Zugangsbauwerke (Simulation unten, neues Bauwerk in Grau, in Gelb darin der neu geschaffene Aufgang) an die U1/U2-Röhren angeschlossen werden: Mithilfe von Stickstoff (lila) wird das Erdreich rund um die Stellen langsam vereist. So bleibt es stabil und es kann während des Durchbruchs kein Grundwasser eindringen. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Boden wieder aufgetaut. Mit dieser Technik wurde bereits die U3/U6-Ebene unterm Marienplatz 2003 bis 2006 erweitert.

Im Zuge der Umbauarbeiten wird die Station auf allen Ebenen komplett saniert und modernisiert. Die Gewinner des Gestaltungswettbewerbs, die Planungsgemeinschaft Raupach + Bohn mit Lichtdesigner Ingo Maurer, haben eine klare Farbgebung entwickelt, die die bestehenden Farben aufgreift: Gelb für die Ebene U1/U2 (siehe Titelfoto)...

... Blau für die U3/U6 ...

... und Schwarz mit hellen Deckenelementen in einem übersichtlichen hallenartigen Zwischengeschoss – bislang ist es durch diverse Einbauten verschachtelt. In Sachen Fahrgastlenkung und Brandschutz sowie Barrierefreiheit wird die Station ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht:

Hauptausgang: Der Ein- und Ausgang vor dem Kino wird vergrößert, es entsteht Platz für eine zweite Rolltreppe. Dasselbe geschieht am Ausgang Müllerstraße.

Aufzüge: Ein zusätzlicher Aufzug kommt an den neuen Aufgang zur Blumenstraße (Höhe Wallstraße). Außerdem werden die beiden Aufzüge der U1/U2, die bisher im Sperrengeschoss enden, bis an die Oberfläche zum Sendlinger-Tor-Platz verlängert.

Da der U-Bahnhof während der Modernisierung nicht einfach zugesperrt werden kann, werden in bewährter Weise Wanderbaustellen eingerichtet, bei denen jeweils nur ein Teil des Gebäudes gesperrt ist. So kennen es die Fahrgäste schon von den Modernisierungen der Sperrengeschosse Hauptbahnhof und Marienplatz. Für die Belieferung der Baustelle gibt es ein ausgeklügeltes Konzept: Ein Teil der Baumaterialen kommt über die neuen Luftschächte nach unten. Außerdem finden in der kurzen nächtlichen Betriebspause Transportfahrten über die U-Bahngleise statt. Für den Umbau des U-Bahnhofs Sendlinger Tor unter laufendem Betrieb sind 150 Millionen Euro und fünf bis sechs Jahre angesetzt.

Teilweise muss wegen der Bauarbeiten übrigens auch der Autoverkehr verlegt werden. Dafür entsteht zwischen der Matthäuskirche und der Brunnenanlage eine provisorische Fahrbahn, über die die Autofahrer vom Stachus kommen.

Drei Videosimulationen zeigen schon jetzt auf unserem Youtube-Kanal MVGservice, wie das Gebäude nach der Modernisierung aussehen wird: Ebene U1/U2, Ebene U3/U6, Zwischengeschoss

Weitere Infos zum Projekt Umbau U-Bahnhof Sendlinger Tor: www.mvg.de 

Zeitplan: Was passiert wann?

2016 Vorarbeiten, u.a. Verlegen von Leitungen, um Platz zu schaffen für die Bauarbeiten am Sendlinger-Tor-Platz und an der Blumenstraße (Ecke Wallstraße)

2017 Baubeginn für die beiden neuen Zugangsbauwerke zur U1/U2 am Sendlinger-Tor-Platz und an der Blumenstraße (Ecke Wallstraße) über Baugruben von der Oberfläche aus

2018 Baubeginn im Inneren des U-Bahnhofs mittels Wanderbaustellen

2019 Eröffnung des neuen Zugangsbauwerks Sonnenstraße

2022 Eröffnung des neuen Zugangsbauwerks Wallstraße

2022 Fertigstellung aller Umbauarbeiten