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Die Münchner Tram wird 140!

12. Oktober 2016

Elektroantrieb: Das ist das neue Zauberwort, wenn es um die umweltfreundliche Mobilität der Zukunft geht. Neu? Nicht ganz – in München hat die elektromobile Zukunft eine beachtliche Vergangenheit.

Seit 140 Jahren bringt die Tram die Münchner auf Schienen ans Ziel. Während sich heute ein moderner Straßenbahnzug mit 978 PS durch die Stadt schlängelt, waren die Anfänge genau 1 PS stark: Ab 21. Oktober 1876 zog je ein Pferd einen Wagen der ersten städtischen Straßenbahn. Zwei Linien gab es zunächst, für die der Verkehrsunternehmer Edouard Otlet die Konzession erhielt. 1882 ging der Betrieb auf die Münchner Trambahn-Aktiengesellschaft über. Derweil schritt der Streckenausbau voran: Bis 1885 wuchs das Netz auf acht Linien.

Zehn Jahre später elektrisierte das Jahr 1895 die Stadt im Wortsinn. Vor 115 Jahren hieß es auf der Strecke Färbergraben-Isartalbahnhof: Bitte einsteigen in die erste Tramlinie mit Oberleitung! Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert – auch wenn nicht immer alle gleich begeistert waren. Gleich zum Start kam die Fahrleitung der königlich-bayerische Elitekavallerie in die Quere: Die "Schweren Reiter" mussten ihre Paraderitte fortan mit gesenkter Lanze absolvieren.


Der A-Wagen mit elektrischer Oberleitung in einer historischen Aufnahme...

Der Fluss liefert den Strom
Die Tram in der Isarmetropole – eigentlich hat ja der Fluss das Verkehrsmittel so richtig in Schwung gebracht. 1891 und 1893 entstehen die Wasserkraftwerke an der Westenrieder- und der Muffatstraße. Die Isar liefert den Strom für das Tramnetz, umweltfreundlich und wie nebenbei. Die Tram wiederum gibt seit den 1990er-Jahren auch etwas ins Netz zurück: Bis zu 30 Prozent ihrer Bremsenergie kann sie in die Fahrleitung einspeisen. Eine Entwicklung, die erst mit dem Wagentyp R möglich wurde. Alle weiteren Neubeschaffungen können das ebenfalls.

Die Fahrzeuge haben sich im Lauf der Jahrzehnte entwickelt – äußerlich wie innerlich. Nach der allerersten Typenbezeichnung "Z" folgte der "A-Wagen"; heute sind wir im Typenalphabet bei "T" angelangt. Die Münchner gaben ihrer Straßenbahn jedoch lieber Spitznamen. "Stangerlwagen" hieß sie in den 1920er-Jahren, wegen des markanten Stangenstromabnehmers. Ab den 1950ern folgte der Bügelstromabnehmer und das Kosewort verschwand. Nebenbei: Auch das elektromobile Pendant, der "Stangerlbus" mit Oberleitung, fuhr durch München – ab 1948, jedoch nur für knapp 20 Jahre.

Der Elektroantrieb sollte aber nicht nur oberirdisch genutzt werden. Pläne für Schienenverkehr unter der Stadt wurden in München schon 1905 geschmiedet – unterbrochen von Krieg, Inflation und einem weiteren Krieg. 1971 wurde schließlich die erste U-Bahnstrecke eröffnet. Und im Untergrund kommt auch der Strom von unten: von einer separaten Schiene im Gleisbett.

Auf der grünen Linie
Doch zurück zu den Anfängen der Elektromobilität: Mit dem Start der "Elektrischen" im Linienbetrieb 1895 war München unter den Vorreitern. Die weltweit erste stromgespeiste Straßenbahn fuhr ab 1881 in Berlin-Lichterfelde, die zweite ab 1884 zwischen Frankfurt und Offenbach. Und auch an der Isar war bereits mit dem Elektroantrieb experimentiert worden. 1886 bis 1895 rollte als Privatprojekt die "Ungererbahn" auf 1,2 Kilometern an der damaligen Landshuter Straße (heute Ungererstraße) bis zum Schwimmbad.

Was gegen Ende des 19. Jahrhunderts vermutlich als Nebeneffekt der "Elektrischen" galt, zählt heute zu ihren wichtigsten Pluspunkten: keine Abgase, wenig Lärm, hohe Umweltfreundlichkeit. Und: die weitgehende Unabhängigkeit vom Autoverkehr, zumindest dort, wo die Tram auf einer eigenen Gleistrasse fährt.

... und der A-Wagen heute. Der Oldie wohnt jetzt im MVG Museum und darf an besonderen Tagen raus.

Festtag zur Ehren der Tram
Am 21. Oktober 2016 wird die Münchner Tram nun 140 Jahre alt. Das wird natürlich gefeiert: Das MVG Museum öffnet ab 16 Uhr bis in die Abendstunden für ein großes Fest mit Musik, Kinderaktionen und Führungen durch die nebenan gelegene Straßenbahn-Hauptwerkstätte. Alle großen und kleinen Besucher sind herzlich willkommen! Der Eintritt ist kostenlos, ein Tramshuttle fährt ab Max-Weber-Platz zum Museum und auch die MünchenTram lädt zur Feier des Tages auf eine kostenlose kurze Runde von und bis Maximilianeum ein.

Mehr Infos zum Jubiläumsfest „140 Jahre Tram“ im aktuellen Kundenmagazin MVGinfo 3/2016 und unter www.mvg.de

Eine erste Fassung des Artikels wurde 2010 zum Jubiläum „115 Jahre Elektromobilität“ im Kundenmagazin „MVG Linie 8“ veröffentlicht.