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Moin und Servus auf der Wiesn!

16. September 2016

Kollegialität ist, wenn der Weißwurstäquator kein unüberwindbares Hindernis darstellt: Die U-Bahnwache bekommt zur Wiesn Verstärkung aus dem hohen Norden.

Zwei Hamburger als Oktoberfest-Profis in München: Nicole Müller und André Klang von der Hamburger Hochbahnwache haben bereits im vergangenen Jahr am U-Bahnhof Theresienwiese mitgeholfen, dass alle Fahrgäste sicher an- und wieder heimkommen. Sprachbarrieren gibt es kaum, sogar den bairischen Slang bei der Ansage der Kanzelsprecher kennen die Nordlichter schon.

Sanel Habibovic, der Wiesn-Einsatzleiter der Münchner U-Bahnwache, findet: "Die Zusammenarbeit klappt seit vielen Jahren super. Zum Hafengeburtstag fahren immer auch Münchner U-Bahnwachen nach Hamburg. Das Oktoberfest ist eine Herausforderung der ganz speziellen Art. Man muss überlegt und schnell handeln, wobei unsere oberste Priorität die Sicherheit der Fahrgäste ist."

Wenn er zwei Wochen lang jeden Tag an der Theresienwiese im Einsatz ist, würde er am liebsten privat gar nicht mehr hingehen. "Aber da werde ich von meinen Kindern überstimmt", sagt Sanel Habibovic und grinst. Nicole Müller aus der Hansestadt zieht es schon vier Jahre lang zur Fest-Unterstützung in den Süden, was auch an ihrer Vorliebe für die Berge liegt: "An meinem freien Tag bin ich mit Münchner und Hamburger Kollegen auf den Wendelstein gestiegen – da haben sich schon einige Freundschaften ergeben." Wenn ihr angeheiterte Besucher mal einen Handkuss schenken, dann nimmt sie das mit Humor.

Wiesn = Ausnahmezustand
Aber der Arbeitsalltag besteht nicht nur aus Komplimenten, sagt die Sicherheitsfrau: "Das viele Stehen ist anstrengend und man ist ständigen Temperaturwechseln ausgesetzt. Wenn die Zelte um 22.30 Uhr schließen, geht’s richtig los, da muss man ein gutes Reaktionsvermögen haben."

Und ihr Kollege André Klang, der in Hamburg beim "Schlagermove" die Gesamtleitung der Hochbahnwache innehat, ergänzt: "Das Oktoberfest ist eine Veranstaltung von einer anderen Dimension. Bei uns in Hamburg gibt es zwar auch den Hafengeburtstag, das Alstervergnügen und eben den Schlagermove, wo 650.000 Menschen auf St. Pauli unterwegs sind. Aber das ist nicht die geballte Menschenmenge wie auf dem Oktoberfest. Der Bahnsteig wird sehr schnell voll. Doch wenn er abgesperrt ist und der nächste Zug die Fahrgäste mitnimmt, verteilen sich die Besucher wieder. Wir sprechen die Leute gezielt an, damit sie den ganzen Bahnsteig nutzen."

Keiner versteht "Moin, Moin"
Und weil sich die Dienstkleidung der Hamburger, die mit einem Seemannspullover maritim wirkt, von der blau-gelben der Münchner unterscheidet, wird er häufig von Passanten angesprochen, woher er kommt. Vielleicht auch deshalb, weil der bairische Note fehlt …

Eines hat sich André Klang ganz schnell abgewöhnt: das norddeutsche "Moin, Moin", wie er fröhlich erzählt. "Das haben mir die Münchner ausgetrieben – aber nur für die Wiesn." Und auch Einheimische hat der Hamburger schnell kennengelernt – natürlich in seiner Freizeit im Bierzelt, wo sonst? Ein Mitbringsel für seinen kleinen Sohn hat er auch schon in der Tasche: "Einen Schnulleraufsatz mit einem Mini-Maßkrug vorne drauf." Für die neue Generation Wiesn-Begeisterter will halt frühzeitig gesorgt sein!

Dieser Artikel ist auch in der MVG info Ausgabe 3/2016 erschienen.