Startseite1108x277px_2014_Avenio.jpg

Interview mit MVG-Chef Ingo Wortmann

20. September 2017

Ingo Wortmann ist MVG Geschäftsführer in bewegten Zeiten: Die Münchner Verkehrsgesellschaft steht im Spannungsfeld zwischen neuen Ansprüchen an städtische Mobilität und dem Kerngeschäft mit U-Bahn, Bus und Tram, in dem Ausbau- und Erneuerungsbedarf viel Geld und Kapazität binden ...

MVG-Chef Ingo Wortmann (47), der im Herbst 2016 aus Ulm nach München kam, erklärt, wo die Herausforderungen liegen und wie sich die MVG weiterentwickelt. Wenn er Anfang November sein Einjähriges als MVG-Chef begeht, dann ist die Wiesn 2017 schon vorbei. Das Oktoberfest mit seinen Millionen Besuchern ist für die MVG alljährlich eine der größten Herausforderungen, jedoch bei weitem nicht die einzige. Das Interview: 

Herr Wortmann, das wird ihr erstes Oktoberfest als MVG Chef. Werden Sie mal hinfahren?
Natürlich, das lasse ich mir nicht entgehen. Unsere Kollegen und Kolleginnen werden ja für ihre souveräne Leistung zu jedem Oktoberfest deutschlandweit gelobt. Und wir haben an der Theresienwiese mit der U-Bahn nach wie vor das größte Fahrgeschäft. 

Vor und nach der Wiesn wird das Fahrerlebnis für viele zurzeit eher durch Baustellen geprägt. Warum?
Ich weiß, dass es an den Nerven zerrt, wenn nicht alles nach Fahrplan läuft. Auf meiner Stammlinie U6 hatten wir im Sommer über fünf Wochen mit den Auswirkungen einer Weichenerneuerung am Kieferngarten zu kämpfen . Die U-Bahn ist im Juli vor 50 Jahren das erste Mal gefahren, heue bringt sie täglich über eine Million Menschen an ihr Ziel. Das ist eine immense Leistung, das bedeutet aber auch: Ihre Infrastruktur muss jetzt auf einen modernen Stand gebracht werden, um auch in Zukunft leistungsfähig und das Verkehrsmittel Nummer 1 für die Münchner zu bleiben. Wir können die U-Bahn für die Erneuerung aber nicht zusperren. Das Bauen im Betrieb geht umgekehrt nicht ohne Behinderungen und längere Bauzeiten, bei unserer größten Baustelle am Sendlinger Tor sogar über mehrere Jahre. Wir müssen parallel an vielen Punkten im Netz arbeiten. Das ist lästig, weil mit Taktausdünnungen, Ersatzverkehr oder Umleitungen verbunden, aber notwendig. 


Ingo Wortmann ist Vorsitzender der MVG Geschäftsführung sowie SWM Geschäftsführer Verkehr.

Was hat Sie seit Ihrem Amtsantritt schwerpunktmäßig beschäftigt?
Ich kam im Herbst 2016 nach München, als die Zulassung der 21 neuen U-Bahnen vom Typ C2 in vollem Gange war - hier sind wir auf einem guten Weg, auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt. Aber es kommt auch Bewegung in lange umkämpfte Ausbauprojekte, also die Westtangente und die Tram durch den Englischen Garten. Intensiv beschäftigen wird uns weiter die Luftreinhaltung. Wir müssen es schaffen, noch mehr Autofahrer für den ÖPNV zu begeistern - und unser Angebot entsprechend ausbauen. Auch weitere Elektrobusse kommen! Gut, dass der Freistaat Bayern nun wieder mehr öffentliches Geld für den Nahverkehrs-Ausbau in Aussicht gestellt hat. 

Abseits der Kerngeschäfte: Wie entwickelt sich die MVG, was steht auf der Agenda?
Die Themen Digitalisierung und smarte Mobilität bewegen auch uns. Wir wollen vielfältige Services aus einer Hand bieten für alle Münchner und München-Besucher, die umwelt- und stadtfreundlich unterwegs sind. Seit Juni testen wir mit dem Start-up ParkHere an der Münchner Freiheit neuartige Parksensoren, die freie CarSharing- und E-Parkplätze melden. Wir bauen neue E-Mobilitätsstationen und testen Pedelecs beim MVG Rad. Zu weiteren Zukunftsthemen gehören etwa das autonome Fahren oder das Handy-Parken. Die Münchner wollen nicht nur von Haltestelle zu Haltestelle, sondern individuell von A nach B. Das ist unser Auftrag als moderner Mobilitätsdienstleister der Stadt. 

Zum Abschluss blicken wir noch einmal in die ganz nahe Zukunft: Die Wiesn beginnt ja am 16. September. Es gibt ja Lederhosen-Verfechter und -verweigerer. Wie halten Sie es?
Ich bin noch kein Lederhosenträger. Aber ich habe mir schon vor mehreren Jahren einen Trachtenjanker gekauft. Die bayerische Art, auf der Bierbank aufzurücken, damit noch zwei dazupassen, mag ich sehr. Und ich schätze die Münchner Biere. In diesem Sinne: Kommen wir alle gut zur Wiesn und wieder heim mit der MVG!