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Der goldene Draht

13. September 2017

Wer derzeit am Westfriedhof bei der Trambaustelle in den Himmel blickt, der sieht feine Kupferdrähte glänzen – wie gesponnenes Gold. Man könnte fast meinen, dass hier das Rumpelstilzchen seine Hände im Spiel gehabt hat. Tatsächlich handelt es sich um funkelnagelneue Fahrdrähte ...

Noch bis 22. September finden auf den Linien 20/21 am Westfriedhof Gleisbauarbeiten statt. Im Zuge der Baustelle wurden jetzt neue Fahr- und Spanndrähte aufgezogen und die glänzen faszinierend! Markus Häußler ist der Mann mit dem Draht nach oben. Er ist Vorhandwerker für die Fahrleitung der Tram und überprüft in regelmäßigen Abständen, dass die beauftragte Spezialfirma das komplexe Konstrukt aus Kupferdrähten und -seilen richtig aufbaut.

Markus Häußler erklärt: "Die Spanndrähte, an denen die Fahrleitung später befestigt ist, sind siebenfach in sich verdreht. Eine Legierung aus Kupfer und Zinn lässt sie rotgold schimmern." Mit der Zeit, so erklärt Markus Häußler, oxidiert das Material und wird erst grau, dann schwarz. Aus der Nähe sieht man ganz genau, wie der Spanndraht aufgebaut ist - dass er in sich verdreht ist, garantiert Flexibilität, Zugfestigkeit und Stabilität: 

Und so sehen die Fahrdrähte selbst aus, der eingekerbte Schwalbenschwanz oben sind für die Halterung:

 

Weil sich die Lage der Gleise leicht verändert hat, muss auch das gesamte Tragwerk neu aufgebaut werden. Stück für Stück wird das komplexe Konstrukt aus Drähten und Seilen aufgezogen. Hier kann man gut erkennen, dass im derzeitigen Provisorium neuere Drähte in rotgold mit älteren in silbergrau verknüpft sind: 

 

Blick auf die Dachauer Straße stadtauswärts. Überall sieht man feine Kupferdrähte und -seile in der Sonne glänzen. Wenn das Tragwerk komplett erneuert wurde, kommt schließlich auch noch der Fahrdraht hinzu: Er wird jetzt reguliert, d.h. er wird mittig entlang der Gleisachse ausgerichtet, so dass er für den Stromabnehmer der Tram an der richtigen Stelle ist. 

 

Markus Häußler schwebt über der Stadt. Wenn es zu windig ist, darf der Korb übrigens nicht ausgefahren werden: Es würde zu stark schwanken. Er muss schwindelfrei sein, außerdem erfordert sein Beruf viel Wissen und Umsicht: Wenn Arbeiten am Fahrdraht erfolgen, muss das unter allerhöchsten Sicherheitsbedingungen erfolgen. 

 

Blick aus 15 Metern Höhe in die Orpheusstraße: Auch hier hängt die Fahrleitung schon. Ihre Regelhöhe beträgt 5,50 Meter - außer, wenn die Tram z.B. durch eine Unterführung fährt, dann muss abgesenkt werden. 

 

 Ab 23. September 2017 wird hier wieder die Tram fahren.