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Klein & groß = Tram extralang

06. April 2018

Die jüngste Trambestellung bringt ein bisschen Bekanntes und einiges Neues: Auf jenen Strecken, wo besonders viele Leute mitwollen, fahren wir künftig mit besonders viel Platz. Das machen neue Avenio-Straßenbahnen möglich, die als Gespann eingesetzt werden können.

Das erste neue Duo konnte die MVG Ende März 2018 im Tram-Betriebshof in der Einsteinstraße willkommen heißen. Insgesamt liefert der Hersteller Siemens neun Zwei- und neun Dreiteiler nach München. Bevor die neuen Gespanne mit Fahrgästen ins Netz dürfen, steht hier noch der Abnahme- und Zulassungsprozess an.

 

Die Besonderheiten dieser Doppeltraktionszüge:

Die Gespanne bestehen aus einem zweiteiligen und einem dreiteiligen Zug. Beide verfügen über einen Fahrerstand und können daher auch solo gesteuert werden – anders als wir es von unseren Oldies kennen. Beim P-Wagen, der letzten im Alltagseinsatz verbliebenen Hochflur-Tramtyp in München, gibt es ebenfalls Gespanne, doch der Anhänger hat keinen eigenen Fahrerstand.

Zusammengespannt schaffen die Neuen so viel Platz wie noch nie: 260 Fahrgäste passen rein, das sind rund 40 Personen mehr als unsere bisher größten Trambahnen fassen. Gemeinsam messen sie 48 Meter.

Damit die Fahrgäste an allen Türen bequem aus- und einsteigen können, wurden die Haltestellen auf der ersten Einsatzlinie bereits verlängert: Die Doppeltraktions-Avenios sollen künftig auf der Linie 20 fahren. Dort ist der Andrang wegen der Hochschule München an der Dachauer Straße zeitweise besonders groß.

Außerdem umfasste die Bestellung vier vierteilige Straßenbahnen. Diese sind schon angekommen und durchlaufen derzeit das Test- und Abnahmeprogramm. Die Vierteiler sehen im Wesentlichen so aus wie jene Avenios (MVG-interne Bezeichnung: Typ T), die seit Herbst 2014 bei uns fahren. Doch Siemens hat den Straßenbahntyp in der Zwischenzeit weiterentwickelt. 

Im Siemens-Werk wurde der erste Avenio-Vierteiler Ende 2017 auf den Tieflader gezogen...

... und transportfertig nach München gemacht. 2 Fotos oben: (c) Siemens

 Willkommen in der neuen Heimat: Der Avenio bei der Ankunft in der Einsteinstraße. Fotos: (c) Wolfgang Wellige

 

Das ist bei allen Fahrzeugen aus dieser Lieferung neu:

An der leicht veränderten Front ist jetzt eine digitale Kursnummernanzeige angebracht. 

Die kuppelbaren Züge haben außerdem eine Heckkamera zur Überwachung des Kupplungsbereichs, wie sie auch bei den Buszügen installiert ist.

So sieht die Kupplung im Detail aus.

Auf die überbreiten Eltern-Kind-Sitze im Innenraum wurde verzichtet. Das macht die Durchgänge etwas luftiger. 

Die Avenios haben einen Hublift an der ersten Tür und eine Klapprampe an der zweiten Tür. Der Fahrer kann auch die zweite Tür vom Fahrerstand aus separat öffnen. 

Die Türen verfügen über LED-Lichtleisten. Rot heißt: Die Tür ist versperrt. Das Prinzip ist von der U-Bahn des neuesten Typs C2 vom gleichen Hersteller bekannt. 

Zusätzlich zeigt das durchgestrichene Tür-Symbol: Hier geht's nicht rein.

Und noch etwas gibt es bei den neuen Straßenbahnen, das wir von der U-Bahn kennen: Der Fahrer kann alle Türen zwangsschließen. Das hilft, die Pünktlichkeit der Tram zu verbessern. Wir erinnern an dieser Stelle nochmal daran: Tür aufhalten für Nachzügler ist kein Kavaliers-Akt. Im Gegenteil: Das bedeutet nur, dass alle, die in der Tram sitzen oder an den nächsten Haltestellen warten, eine Verspätung bekommen...

Nicht neu, aber dennoch angenehm: Auch die jüngsten Züge sind klimatisiert. Damit steigt der Anteil der Straßenbahnen, in denen die Temperatur im Fahrgastraum auch im Sommer reguliert werden kann.

Einen Überblick über sämtliche Tram-Typen im Fuhrpark der MVG gibt es übrigens auf unserer Homepage.