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Bitte nicht einsteigen!

21. August 2018

Zwei Fahrschulbusse der MVG sind in München unterwegs. Sie sind ebenfalls blau, fahren ganz normal durch die Stadt, stoppen an den Haltestellen – und öffnen sogar die Türen. Trotzdem dürfen Fahrgäste nicht einsteigen ...

Zwar weist die Aufschrift „Fahrschule“ vorne im Linienanzeiger darauf hin, dass hier gelernt wird, trotzdem: Wenn man an der Haltestelle wartet und den  Bus nur aus dem Augenwinkel heraus wahrnimmt, wundert man sich vielleicht, dass man nicht mitfahren darf. 

Im Fahrschulbus sind neben dem Fahrer am Steuer immer mehrere Personen dabei: Daneben der Fahrlehrer und weitere Fahrschüler. André Renz ist seit fünf Jahren Fahrlehrer bei der MVG. Er sagt: „Wir werden oft böse angeschaut, weil wir mit unserem Bus zwar halten, aber keine Fahrgäste einsteigen lassen. Wir erklären dann den Fahrgästen, dass wir sie gerne mitnehmen würden – aber nicht dürfen.“
Der Grund ist gesetzlich verankert: Fahrschüler, die ihre Fahrerlaubnis erst noch erwerben müssen, dürfen keine Personen befördern. „Oft entspinnt sich auch ein lustiges Gespräch,“ erzählt der MVG-Fahrlehrer, aber häufig müssen seine Schüler und er sich unfreundliche Gesten gefallen lassen: „Wir bekommen schon mal den Vogel oder auch andere Handzeichen gezeigt.“ Zusätzlich zur Aufschrift „Fahrschule“ im Linienanzeiger sind vorne im Türbereich auch orange Tafeln angebracht, auf welchen steht: „Hier findet eine Schulung statt.“ 

Feuertaufe auf der Linie 162
Im vorderen Einstiegsbereich ist ein zusätzlicher Fahrlehrersitz wie bei einem Fahrschulauto eingebaut. Eine von vielen schwierigen Linien ist der 162er – quasi die Feuertaufe für die Fahrschüler: „Hier sind sehr viele Engstellen, da muss man zeigen, was man gelernt hat!“ Das schwierigste ist es, erklärt André Renz, ständig hochkonzentriert zu sein und den Verkehr im Blick zu haben. Vier bis fünf Fahrschüler hat André Renz pro Tag - nach ungefähr 60 Stunden machen die meisten Anwärter ihre Prüfung und dürfen im Fahrgastbetrieb fahren. Vier Kurse mit je 16 Fahrschülern gibt es in der Busfahrschule jedes Jahr bei der MVG. Wer sich jetzt auch für eine Ausbildung zum Busfahrer bei der MVG interessiert: Hier geht's zum Stellenangebot für Busfahrer

Und zum Schluss verrät André Renz noch ein Erkennungsmerkmal für Profis: „Die Fahrschulbusse tragen die Fahrzeugnummern 4910 und 4911 hinten auf dem Heck.“ Ein Blick auf die Rückseite des Busses könnte also auch erklären, warum der Fahrer einen nicht mehr mitgenommen hat ... Übrigens gibt’s auch bei Tram und U-Bahn eine Fahrschule. Auch hier tragen die Fahrzeuge die Aufschrift „Fahrschule zur Ausbildung unterwegs“ sowie die dementsprechende Beschilderung vorne im Linienanzeiger.