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Schicht für Schicht für Schicht ...

08. Februar 2017

Nachdem während der ersten Sperr-Monate das systematische Ausräumen auf der Tagesordnung stand, wird nun im U3-Tunnel zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit die U-Bahntechnik neu aufgebaut. Und das geht Schicht für Schicht.

Auf den sauber gefegten Tunnelboden aus Beton kam zunächst robustes Dämmmaterial - in sorgfältiger Handarbeit verlegt:

6.000 Quadratmeter der schwarzen Unterschottermatten aus Kautschuk wurden im Januar ausgelegt, ähnlich wie Parkett - mit Nut und Feder sind die einzelnen Elemente verbunden. Im gleichen Arbeitsgang wurden die Ränder zugeschnitten, verklebt und mit Stahlschienen am Rand fixiert. Die Matten nehmen dank ihrer flexiblen Wabenstruktur Erschütterungen der darüberfahrenden Züge auf.

Aufgerollt sehen sie aus wie überdimensionierte Lakritzschnecken (oben), im Querschnitt (unten) ähneln die Unterschottermatten einer schwarzen Bienenwabe:



Die Unterschottermatten selbst bekommt man normalerweise nicht zu Gesicht - sie verschwinden, wie der Name schon sagt, unter dem neuen Schotter. Den verteilen die Bagger vom Logistikschacht aus in den beiden Röhren. Der frische, großkörnige Schotter und die rund zwei Zentimeter dicken Matten sorgen zusammen dafür, dass die Anwohner künftig weniger von der U-Bahn mitbekommen werden.

Auf den neuen Schotter kommen wiederum die massiven Eichenholzschwellen, die an der Tunnelwand gestapelt auf ihren Einsatz warteten. 3.300 Holzelemente ersetzen die alten Betonschwellen und tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, den Erschütterungsschutz zu verbessern. Die Bauarbeiter ziehen die Verschraubungen der Stahlschienen auf den Schwellen fest.

Während im einen Tunnelabschnitt die Schienen bereits montiert sind, liegt an anderer Stelle das Nachschubmaterial für die weiteren Strecken bereit. Insgesamt 9.000 Meter Fahrschienen werden verlegt.

 Und so sieht das Ergebnis aus. Es fehlen noch die Stromschienen, um die Züge zu bewegen, und die automatische Zugsicherung, ohne die kein U-Bahnbetrieb erlaubt ist:

Für die Bauleute brachte das Abtragen der alten Schichten auch Überraschungen zutage, die die Baupläne nicht vermuten ließen. Die Unterlagen sind rund 50 Jahre alt, der betreffende Abschnitt war eine der ersten Strecken, die noch vor Olympia 1972 für die Münchner U-Bahn realisiert wurden. Erst während der alte Schotter ausgeräumt wurde, zeigte sich, dass viel mehr davon in den Tunnelröhren lag als angenommen - nämlich 7.500 Tonnen statt der veranschlagten 4.500 Tonnen. Probebohrungen vor dem Beginn der Baustelle hatten diese Menge nicht vermuten lassen.

Da im Untergrund alle Arbeiten miteinander verzahnt sind, hat der verlängerte Zeitbedarf fürs Ausräumen auch den Terminplan der folgenden Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen. Die Pufferzeiten und Beschleunigungsaktionen reichen nicht ganz, um den Abschluss der Baustelle wie geplant bis Ende März zu schaffen. Rund zwei Wochen länger als vorgesehen, bis 17. April 2017, muss die Sperrung samt Bus-Ersatzverkehr aufrechterhalten werden.

Alle bisherigen Folgen des Bautagebuchs U3 finden Sie hier.