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Die Jungspunde: Bahnhöfe der 00er-Jahre

26. Mai 2017

Wenn draußen die Sonne so richtig brennt - wie angenehm ist da ein Zwischenstopp im kühlen U-Bahnhof. Und mitunter gibt es dort ganz schön was zu sehen - beim Warten auf den nächsten Zug lassen sich architektonische Highlights entdecken. Einer unserer Blog-Klassiker:

Wie folgendes kleines Streitgespräch am Bahnsteig der Münchner Freiheit zeigt, sind die Geschmäcker in Bezug auf die jüngsten U-Bahnhöfe Münchens sehr verschieden:
Moni: „Also ich finde ja diesen U-Bahnhof hier am allerschönsten!“
Franz: „Wirklich? Nein, die Farben hier, dieses Blau und Gelb, das ist mir viel zu grell!“
Moni: „Nein, gar nicht! Das ist doch endlich mal schön poppig!“
Franz: „Also mir gefällt ja der in Oberwiesenfeld total gut!“
Moni: „Was? Nicht dein Ernst, wenn man diese schwarz-weißen Kacheln länger anschaut, wird einem ja schwindelig!“ u.s.w.  Ob nun poppig bunt oder mit Riesenblumen – die neuen und sanierten Bahnhöfe der Nuller Jahre sind eines ganz bestimmt nicht: fad.


Georg-Brauchle-Ring (2003)

Insgesamt 400 rechteckige Metalltafeln schmücken die Wände der U1-Station Georg-Brauchle-Ring. Der Künstler Franz Ackermann schuf hier das Kunstwerk „Die große Reise“. Die Tafeln leuchten in verschiedenen Farben, unterbrochen durch Fotografien, Malereien oder Post- und Landkarten von Metropolen der Welt. Jedes Rechteck wiegt übrigens 135 Kilogramm, damit trägt jede Seitenwand knapp 30 Tonnen. Der U-Bahnhof ist der erste Kunstbahnhof von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Landeshauptstadt München.


Oberwiesenfeld (2007)
Die helle Station hat dank der parallelen Lage zur Moosacher Straße 16 große Oberlichter für einen Blick in den Himmel. Ein Teil der Tunnelröhre liegt im Bereich des Grundwassers. Damit während des Baus kein Wasser eindringen konnte, musste mit Luftüberdruck in der Arbeitskammer gearbeitet werden. Der Bauabschnitt war nur über eine Druckschleuse zugänglich, in der die Arbeiter nach der Schicht bis zu einer Stunde verbringen mussten, um den Druck wieder auszugleichen. Das Obere Wiesenfeld, nach dem die Station benannt ist, diente früher als Militärübungsgelände, danach als Flugplatz. Heute gehört es zu Teilen des Olympiaparks und des Olympischen Dorfs.


Münchner Freiheit (saniert 2008/2009)

Eigentlich ist die Münchner Freiheit unser ältester U-Bahnhof: Er wurde 1971 eröffnet, ein knappes Jahr vor den Olympischen Spielen. Da er aber nach seiner Sanierung 2008/2009 kaum wiederzuerkennen ist, darf er bei den "Jungspunden des U-Bahnnetzes" stehen. Über 30 Jahre nach der Eröffnung wurde der U-Bahnhof auch barrierefrei ausgebaut. Hierfür wurden unter anderem die Bahnsteige um einige Zentimeter erhöht, um den Höhenunterschied beim Einsteigen in die U-Bahn zu minimieren. Außerdem wurde im Zuge der Renovierung der Bahnhof in Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner Ingo Maurer umgestaltet. Die auffälligen gelben Wände und die blauen, beleuchteten Säulen bleiben sofort im Gedächtnis. Durch die hohe, mit Spiegeln verkleidete Decke wirkt der Bahnhof jetzt heller und großzügiger.


Moosach (2010)

Der U-Bahnhof Moosach ist gestaltet vom Münchner Künstler Martin Fengel. Von oben fällt durch Schächte Tageslicht ein und taucht den Bahnsteig in natürliches Licht. Den hellen Eindruck verstärken Pendelleuchten und die weiße Wandverkleidung, auf der stark vergrößerte Details von Pflanzen- und Tierfotografien zu sehen sind. Als Schnittstelle zwischen Stadt und Umland ist Moosach ein sehr grüner Stadtteil mit vielen Gärtnereien, woran auch die Bilder erinnern sollen. Im Jahr 2010 eröffnet, ist Moosach der hundertste U-Bahnhof in München.


Olympia-Einkaufszentrum (2004 und 2007)

Die Haltestelle Olympia-Einkaufszentrum ist ein Kreuzungsbahnhof der Linien U1 und U3 auf mehreren Ebenen. Die Bahnhöfe beider Linien haben Wandverkleidungen aus plastisch ausgeformtem Edelstahl. Die Raumverhältnisse der beiden Bahnsteige sind allerdings verschieden: Während bei dem Bahnhof der U3 ein Mittelbahnsteig vorhanden ist, gibt es bei dem Bahnhof der Linie U1 Seitenbahnsteige. Im Sperrengeschoss an der Südseite findet man eine Installation von Olaf Metzel: „Erst rechts, dann links, dann immer geradeaus“: Drei Leitplanken an einer Säulenreihe symbolisieren die Beziehung von Straße und Schiene. Hier zu sehen ist der Bahnhof der Linie U3 mit hunderten von kleinen Pyramiden an den Wänden. Der Bahnhof für den Anschluss der U3 wurde 2007 eröffnet, drei Jahre nach dem der U1.

 

U-Bahnhöfe aus den anderen Jahrzehnten finden Architekturinteressierte und Untergrundfans übrigens hier:

Oldies but Goldies - U-Bahnhöfe aus den 70ern

U-Bahnhöfe der Achtziger

Schönheiten der 90er