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Helfer im Untergrund: Verkehrsmeister der MVG

26. Juni 2014

Alexander Bauer (22) und Roland Fleischer (52) trennen ganze 30 Lebensjahre, aber sie haben den gleichen Beruf: Verkehrsmeister bei der Münchner U-Bahn.

" Damit sind sie ein bisschen Löwenbändiger, Showmaster und Krisenmanager in einem. Klingt spannend? Ist es auch! Denn Verkehrsmeister helfen von früh morgens bis spät abends mit, dass alles glattläuft im U-Bahnverkehr.

Alexander Bauer sprengt gleich zwei Rekorde bei der Münchner U-Bahn: Mit 19 war er jüngster U-Bahnfahrer, jetzt mit 22 ist er der jüngste Verkehrsmeister bei der MVG. Schon als Kind begeisterte ihn die schiere Masse einer U-Bahn: „Ich wollte einfach die Allergrößten fahren!“ Jetzt darf er tief unter der Erde in Abstell- und Wendeanlagen tonnenschwere U-Bahnzüge rangieren. Im morgendlichen Berufsverkehr sorgt er seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember dafür, dass hunderte Fahrgäste sicher ein und aussteigen. Und wer am Hauptbahnhof oder Sendlinger Tor in der Früh umsteigt, weiß: Das ist keine leichte Aufgabe! Sein Tag beginnt morgens um 7 Uhr auf Gleis 1 und 3 am Hauptbahnhof: Mit einem Mikro in der Hand klingt seine Stimme über den gesamten Bahnsteig: „Auf Gleis 1 fährt die U2 nach Feldmoching ein – bitte lassen Sie erst die anderen Fahrgäste aussteigen, bevor Sie zusteigen.“

Wenn ein Fahrgast partout nicht hören will, wird er schon mal ganz persönlich angesprochen: „Der Herr in der roten Jacke bitte auch den Sicherheitsstreifen freihalten!“ Der Angesprochene blickt überrascht auf und hüpft schnell beiseite. Dafür erntet er von Alexander Bauer, der bei Bedarf auch ein bisschen wie ein Entertainer klingt, ein „Dankeschön!“. Gerade im Berufsverkehr geht es flott zu, erzählt er: „Wenn im Zweieinhalb-Minuten-Takt die Züge auf zwei Gleisen abfahren, muss man einfach Gas geben!“



Kein Arbeitstag wie der andere
Nach dem morgendlichen Einsatz geht es für den 22-Jährigen „auf Strecke“: Er nimmt Abstell- und Wendeanlagen unter die Lupe, kontrolliert Betriebsräume und setzt, dort wo es geht, eine stehengebliebene Rolltreppe wieder in Gang. Dann wird er vom Betriebszentrum angefunkt: Ein Doppeltriebwagen muss in die Mitte zwischen zwei andere Zugteile gekuppelt werden. Um im eng getakteten Fahrplan zu bleiben, wird der Zug erst am Abend in die Werkstatt nach Fröttmaning gebracht. Das Überführen von defekten Zügen übernimmt häufig Roland Fleischer, der ein alter Hase unter den 25 Verkehrsmeistern der MVG ist. Langweilig ist ihm sein Job aber seit 23 Dienstjahren noch nie geworden. Er erzählt: „Es ist kein Tag wie der andere. Ich muss spontan sein und auf die Anweisungen aus dem Betriebszentrum reagieren.“ Es kann vorkommen, erzählt er, dass er für einen erkrankten Fahrdienst-Kollegen einspringen muss – von einer Minute auf die andere. Oder dass er einen Zug im U-Bahnnetz von A nach B fahren muss, weil er dort gebraucht wird. Wenn der 52-Jährige unterwegs ist, fährt er immer im Fahrerstand vorne mit und steht den Kollegen als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite. „Denn man erfährt viel im persönlichen Gespräch“, sagt er.

In den Katakomben der MVG
Roland Fleischers Kontrollgänge führen ihn auch in die Katakomben der MVG, also dorthin, wohin man als Fahrgast nie kommt, wie z.B. in die Aufzugsanlagen. Denn er muss diese gut kennen, um im Notfall steckengebliebene Personen befreien zu können. In ihrer Ausbildung lernen die angehenden Verkehrsmeister übrigens auch, wie ein Fahrplan erstellt wird oder wie man Personal führt: Denn den Fahrern gegenüber sind sie weisungsbefugt.