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Blick hinter die Kulissen: Die Tramwerkstätten

12. Januar 2015

Im Morgengrauen, um kurz vor vier Uhr in der Früh, rücken über 90 Straßenbahnen im MVG Trambetriebshof in der Einsteinstraße im Minutentakt aus. Sie sind für den täglichen Fahrgastansturm gut gerüstet, denn in der Nacht wurde fleißig an ihnen gearbeitet. Die Mitarbeiter der Nachtschicht warten und reparieren die Fahrzeuge, während in München alles schläft. Für aufwendigere Arbeiten, die länger dauern, kommen die Trambahnen an einen zweiten Standort, in die Hauptwerkstätte Ständlerstraße.

Im MVG Trambetriebshof in der Einsteinstraße wird rund um die Uhr gewerkelt: Neben akuten Reparaturarbeiten gibt es regelmäßige Wartungen. Pro Nacht stehen einige Trambahnen auf der Liste – da bleibt für Müdigkeit keine Zeit. Es gibt viel zu tun: Eine Lasermessanlage überprüft die Räder. Sie müssen millimetergenau die richtigen Maße haben, denn nur so fährt die Tram gleichmäßig, ohne zu holpern. Wenn die Räder unrund laufen, kommt die Trambahn auf eine Radsatzbearbeitungsmaschine, die die Räder wieder schön gleichmäßig dreht. Außerdem wird bei der Wartung alles überprüft, was für Sicherheit und Komfort wichtig ist, so z.B. dass die Schienenbremsen funktionieren, genug Bremssand und Schmiermittel für die Räder vorhanden sind.

Flott gemacht über Nacht
„Am Abend kommen neben den Zügen, die gewartet werden, auch Straßenbahnen in der Einsteinstraße an, die repariert werden müssen. Das geht von einem Türtaster, der ausgetauscht werden muss, bis zum kaputten Sitzbezug“, erklärt Helmut Günther, der bei der MVG für die Fahrzeuginstandsetzung bei den Trambahnen zuständig ist.



Sobald es nach oben auf den Dacharbeitsstand der Tram geht, wo die Mitarbeiter in der Nähe des  Stromabnehmers arbeiten, ist doppelte Sicherheit gefragt, denn mit 750 Volt ist nicht zu spaßen. Bei den niederflurigen Fahrzeugen – und das sind im Linienbetrieb der MVG alle mit Ausnahme von fünf Zügen aus den 1960er Jahren – ist die Antriebs- und Steuerungstechnik auf dem Dach untergebracht. Jeder Mitarbeiter muss auf dem Dacharbeitsstand sein eigenes Sicherheitsschloss am Stromkasten anbringen. Erst wenn kein Schloss mehr am Kasten hängt, darf der Strom wieder angeschaltet werden.

Wenn alle Reparatur- und Wartungsarbeiten durchgeführt sind, kommt die Tram noch in die Waschstraße, die übrigens umweltfreundlich mit 90 Prozent Regenwasser betrieben wird. Bevor es auf die Straße geht, wird das Innere von einem Putztrupp blitzblank gewischt.

Hauptwerkstätte in Ramersdorf
Es gibt noch einen zweiten Standort zum Unterhalt der Straßenbahn: In historischem Gemäuer ist die Hauptwerkstätte in der Ständlerstraße gleich neben dem MVG Museum untergebracht. In der großen lichtdurchfluteten Halle werden langwierigere Arbeiten erledigt, die nicht tagesaktuell sind. Vor allem größere Unfallschäden können hier behoben werden, dafür gibt es auch eine Lackiererei, die nach unzähligen frisch lackierten Trambahnen schon selbst ganz blau ist.

Einen großen Teil der Hauptwerkstätte nimmt das gesamte Material- und Ersatzteillager ein, das alles für die Instandsetzung der Fahrzeuge beinhaltet: Radreifen, Stromabnehmer, Heizungsregister, Kompressoren, Hublifte und Fahrersitze. Derzeit werden übrigens auch Monitore eingebaut, auf denen das Fahrgastfernsehen analog zum Ausbau in den U-Bahnen laufen wird.  So sind die Fahrgäste in Zukunft auch in der Tram bestens aktuell informiert.