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Aus dem Alltag eines U-Bahnfahrers

29. September 2014

Gregor Smid ist mit Leib und Seele U-Bahnfahrer bei der MVG. Dass man im öffentlichen Nahverkehr jede Menge erleben kann, wenn man täglich Tausende von Menschen von A nach B bringt, versteht sich von selbst, oder? Für unseren Blog plaudert er aus dem Nähkästchen und erzählt, was ihm im Arbeitsalltag so alles passiert, unter und über der Erde ...

"Dass man hin und wieder auf Touristen stößt, die nach dem Weg fragen, kennt man ja. Bislang reichten dafür Schulenglisch, Hände und Füße auch ausreichend, um alle Fahrgäste auf den richtigen Weg zu bringen. Zumindest, solange der Suchende sein Ziel genau kennt. Dass dies nicht immer der Fall ist, erlebte ich unlängst noch während der U6-Großbaustelle und dem damit verbundenen Schienenersatzverkehr.

Ich hatte gerade meine Pause beendet und wartete am U-Bahnhof Fröttmaning auf meinen Einsatz, als mir eine kleine Gruppe ratlos wirkender Damen auffiel. Ich ging auf sie zu und fragte, ob sie Hilfe benötigen. In unverkennbarem Kölner Dialekt kam die dankbare Antwort: "Ja, wie kommen wir denn von hier zu Freiheitsstatue?" Ich erwiderte völlig verblüfft: "Zur Freiheitsstatue?!?" und plante im Kopf schon den Weg von Fröttmaning zum Flughafen, um sie auf direktem Wege nach New York zu schicken. Dann fiel mir das bayrische Pendant dazu ein: Die Damen meinten doch sicherlich die Bavaria auf der Theresienwiese, oder?

Aber die Damen verneinten: "Eine Wiese war da nicht! Wie denn auch, in einem U-Bahnhof gibt es doch keine Wiese!" Freiheitsstatue im U-Bahnhof? Nun war ich genauso verwirrt wie die Damen! "Das war ein gelber Bahnhof", fiel es einer von ihnen ein. "Ach, Sie meinen die U-Bahnstation Münchner Freiheit!", entfuhr es mir erheitert. Nach einer kurzen Wegbeschreibung gingen die Kölnerinnen zufrieden ihrer Wege. Und ich hab wieder etwas gelernt: Als Tourist in einer fremden Stadt ist es gut, sich seine Route, markante Punkte oder U-Bahnstationen für den Rückweg vorab zu notieren!"