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Ein Spiel dauert länger als 90 Minuten

10. März 2015

Vor dem Fußball rollten die Baumaschinen: Vor zehn Jahren – am 4. Mai 2005 – wurde der neue U-Bahnhof Fröttmaning eröffnet; die U6 war startklar für den Stadionverkehr. Seither transportiert die MVG bei jeder Begegnung tausende von Fans in die Allianz Arena und wieder zurück.

Reinhard Harpointner, Verkehrsmeister bei der MVG, koordiniert die An- und Abreise mit der U6. Sein Einsatz beginnt an solchen Tagen vor den Münchner Wirtshäusern.

16.30 Uhr, Innenstadt: Verkehrsmeister Reinhard Harpointner läuft sich warm. Bereits vier Stunden vor Anpfiff streift er mit wachem Blick über den Marienplatz, schaut durch die Fenster beim Augustiner, läuft beim Alten Peter vorbei. Aus jahrelanger Erfahrung weiß er, wo sich die Fans sammeln. Krawall liegt heute nicht in der Luft. Es ist kalt und nieselt leise. „Perfekte Bedingungen für die MVG“, sagt der Verkehrsmeister beruhigt, „dann verläuft meistens alles ruhig, denn die Fans wollen schnell ins Trockene.“



18 Uhr, Marienplatz: Die ersten Fans fahren stadtauswärts mit der U6 Richtung Fröttmaning. Das Spiel beginnt erst um 20:30 Uhr. Schon bald schallen einem im U-Bahnhof am Marienplatz laute Schlachtgesänge entgegen. Ein bisschen zeitig, oder? Verkehrsmeister Torsten Meyer erklärt: „Die auswärtigen Fans fahren vorsichtshalber früher los. Die Einheimischen starten erst kurz vor knapp.“ 42 Mann haben MVG und U-Bahnwache heute extra im Einsatz, nur für den Fußball.

19 Uhr, Marienplatz: Jetzt füllt sich der Bahnsteig. Die U6 fährt am Anschlag. Bis zu 26.000 Fahrgäste nehmen die U-Bahn, das ist fast ein Drittel aller Arena-Besucher. Im 5-Minuten-Takt geht es Zug für Zug in Richtung Stadion.



21 Uhr, Fröttmaning: Reinhard Harpointner ist jetzt in der Einsatzzentrale im U-Bahnhof Fröttmaning, einer Glaskuppel über den Gleisen. Ein Radio tönt im Hintergrund, es steht 0:0. Eine Stunde vor Spielende teilt der Verkehrsmeister seine Mitarbeiter ein. Und er will wissen, wie die Stimmung vor Ort ist. Der Fanartikel-Verkäufer erzählt ihm: „Heute ist es ruhig, zwei gegnerische Fans haben vor meinem Stand freundschaftlich einen Schal getauscht.“ Im U-Bahn-Betriebshof gleich nebenan läuft ebenfalls alles nach Plan: Elf U-Bahnzüge stehen extra für die Rückfahrt bereit.


Reinhard Harpointner ist in der Glaskuppel des Fröttmaninger Bahnhofs hochkonzentriert bei der Arbeit. Auf mehreren Bildschirmen beobachtet er, wie die Lage am hinteren Teil des Bahnsteigs und an anderen neuralgischen Punkten ist.

22:15 Uhr, Fröttmaning Der FC Bayern hat gewonnen. Während die Bayern feiern, beginnt für Reinhard Harpointner und sein Team der größte Teil der Arbeit. In knapp anderthalb Stunden leiten sie die abreisenden Fans so in die Züge, dass möglichst nichts ins Stocken gerät. Das will gelernt sein: Der Funk im Ohr verbindet Einsatzleiter Harpointner live mit den Kollegen am Bahnsteig. Übers Telefon ist er direkt mit dem MVG Betriebszentrum und dem zuständigen Stellwerk in Kontakt. Der Einsatzleiter koordiniert die U-Bahnzüge. Das klingt dann für die wartenden Fahrgäste so: "Der Zug steht noch einen Moment, gehen Sie bitte nach vorne, da ist noch Platz." Oder: "Auf Gleis 4 kommt gleich der nächste Zug!" Am wichtigsten ist es, die Fahrgäste gut zu informieren, erklärt Reinhard Harpointner.

23:30 Uhr, Fröttmaning: Während im Parkhaus immer noch Autoschlangen stehen, ist die Abreise für die MVG beendet.

 

Tipp für die Anreise: Bus statt U6
Der FC Bayern München setzt zur Entlastung der U-Bahn ab Donnersbergerbrücke Busse ein, die Fans kostenlos zum Stadion bringen. Das Angebot gilt bei Spielen wochentags und ausgewählten Wochenendpartien. Die Infos zu den Bussen gibt es unter www.fcbayern.de. Für die Rückfahrt mit der U-Bahn ist natürlich ein gültiger Fahrschein erforderlich.