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Platz an der Sonne

14. Dezember 2015

Erinnert ihr euch noch an Phillip Krauß, den wir euch an seinem ersten Tag als Tramfahrer vorgestellt haben? Wir haben mal nachgehakt, wie es ihm heute geht und erfreut festgestellt: Er ist immer noch begeistert dabei im Fahrerstand! Vor allem, wenn er den Avenio, den neuesten Trambahntyp, fahren darf. Aber lest am besten selbst ...

„Über ein Jahr ist es her,  seit ich das erste Mal Fahrgäste befördern durfte. Für mich ist damals ein Traum in Erfüllung gegangen. Stolz bin ich nach Hause und habe allen davon erzählt. Doch wie sieht es heute aus? Unser Job hat viele Seiten -  schöne, aber auch negative. Es macht es immer noch Spaß! Logisch gibt es Tage, an denen man weniger motiviert ist, aber wer kennt das nicht?

Besonders schön finde ich die Momente, wenn man in der Früh um 4 Uhr morgens im Betriebshof ankommt und mit den Kollegen noch einen Kaffee trinkt. Die Kollegen ratschen über das Spiel der Bayern gestern Abend. Ich mache mich auf den Weg in die Wagenhalle, wo eine Trambahn der Linie 19 auf mich wartet. Ich habe Glück. Heute Morgen darf ich unseren Neuzugang ausführen, den Avenio. Er steht im Dunkeln und wartet darauf, zum Leben erweckt zu werden. Also Licht an und Fahrzeug prüfen. Alles passt. Die Uhr im Fahrerstand zeigt 4.41 Uhr an.



Die Ruhe beim Frühdienst genieße ich jedes Mal. Fast kein Verkehr. Einige wenige Fahrgäste. Stille. Ich  mache mich auf den Weg zur ersten Haltestelle des Tages. Der Einsteinstraße. Bald bin ich bei der St.-Veit-Straße und mache ich auf Richtung Pasing. Am Ostbahnhof fahren schon vereinzelt ein paar Busse, am Max-Weber-Platz treffe ich auf Kollegen, die vom Betriebshof ausrücken. Die Maximiliansstraße, die ich entlang fahre,  schläft noch tief und fest. Nur ein tiefes Surren ist in den Straßen zu hören, es kommt von meiner Trambahn. Ein paar Stunden später tobt hier der Vorweihnachts-Trubel, der Christkindlmarkt am Marienplatz belebt auch die Theatinerstraße, durch die ich auf meinem Weg komme. Aber jetzt um kurz nach fünf Uhr ist hier noch niemand. Schön ruhig ...

In Pasing angekommen, laufe ich schnell zum Bäcker. Viel Zeit bleibt nicht, aber ein warmes Croissant und noch ein Kaffee müssen sein, bevor der Berufsverkehr losgeht. Auf dem Weg zur St.-Veit-Straße steigt das Verkehrsaufkommen deutlich. Die Autos fahren Stoßstange an Stoßstange: Die Hauptverkehrszeit ist im vollen Gange. Ein paar neugierige Blicke fallen in meinen Fahrerstand. Und da ist es wieder: dieses Gefühl von Stolz. Ich bin einer der Wenigen, der so ein Fahrzeug durch München bewegen darf. Und mir gefällt es. Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch, die Sonnenbrille sitzt auf der Nase und ich denke: Das ist mein Platz an der Sonne.“