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Der Nikolaus ist ein Trambahnfahrer

06. Dezember 2016

Nebenjob: Nikolaus! Am Vorabend des 6. Dezember, das weiß jedes Kind, kommt der Nikolaus. Viele Rauschebärte sind mit rotem Umhang in der ganzen Stadt unterwegs. Die wichtigste Rede wird von einem Münchner Trambahnfahrer gehalten ...

... und zwar, wie könnte es in München anders sein, auf dem Rathausbalkon auf dem Marienplatz. Denn der Nikolaus ist im Hauptberuf Trambahnfahrer bei der MVG. Hoch oben über dem Christkindlmarkt auf dem Rathausbalkon steht an zwei Tagen im Jahr, am 5. und am 6. Dezember, der Nikolaus und trägt ein Gedicht vor. Unter der roten Robe steckt heuer zum siebten Mal in Folge der 57-jährige Rupert Frank. Nikolaus ist allerdings nur sein Nebenjob, das restliche Jahr über steuert er Züge durchs Münchner Tramnetz. Dank langjähriger Bühnenerfahrung als Musiker und Kleinkünstler hat er als heiliger Mann kaum Lampenfieber. Bei seiner ersten Ausbildungsfahrt als Trambahnfahrer war das aber ganz anders: "Da haben mir die Knie ganz schön gezittert. Vor allem, als ich zum ersten Mal über den Romanplatz gefahren bin, wo man gleich zwei Weichen stellen muss."

Dienstkleidung in blau ...
Die Aufregung hat sich mittlerweile gelegt. Rupert Frank, der gelernter Steinmetz ist und viele Jahre als Musikalienhändler war, ist nun seit zwei Jahren für die MVG auf den Schienen unterwegs: "Das Trambahnfahren ist in München ja fast wei eine Zunft. Und die Zeit vergeht beim Fahren einfach wie im Flug. Auf der langen Linie 19 geht es zweimal hin und her und schon sind vier Stunden vergangen - ich fahr einfach gern." Er schätzt die persönlichen Begegnungen in seinem Beruf besonders: "Ich freue mich, wenn sich ältere Leute bedanken, weil man gefragt hat, ob man mit dem Rollator helfen kann." Einmal hat Rupert Frank sogar eine Zeichnung von einem Fahrgast geschenkt bekommen: " Das hat mir so gefallen, dass ich das Bild gerahmt habe."

... und in Rot
An zwei Tagen im Jahr tauscht er die blaue Dienstkleidung der MVG mit dem prunkvollen Nikolausgewand, das aus einem Spezialgeschäft für Kirchenbedarf stammt. Den Bart hat eine Maskenbildnerin vom Prinzregententheater handgeknüpft. Allein das ordnungsgemäße Ankleben dauert eine halbe Stunde: "Mit dem Bart fühle ich mich nur wohl, wenn ich als Nikolaus auftrete - in Zivil dagegen ganz fremd."Auf dem Rathausbalkon ist Rupert Frank dann voll in seiner Rolle: "Das ist eine tolle Atmosphäre. Einmal war es besonders vorweihnachtlich, weil der Schnee 20 Zentimeter hoch lag." Nach dem Auftritt verteilt er Äpfel und Mandarinen an die jüngsten Münchner. Dabei besitzt ein Nikolaus ein hohes Maß an Autorität: "Ein Kind wollte seinen Apfel in eine Mandarine umtauschen, aber dann habe ich streng erklärt, dass das nicht geht." Und in seinem roten Umhang mit der Goldstickerei hat er auch einen gewissen Glamourfaktor. Das beweisen die zahlreichen Selfies, für die der Nikolaus gütig blicken muss.

Gedicht auf Bairisch
Das Gedicht, welches Rupert Frank natürlich in bairischem Dialekt vorträgt, schreibt er übrigens selbst. Aktualisiert wird es jedes Jahr. Da können dann schon mal die Spielergebnisse des FC Bayern einfließen, erzählt der Trambahnfahrer: "Das hat schon für großen Jubel gesorgt. Auf dem Rathausbalkon hat man schließlich einen echten Heimvorteil."

Wer den Nikolaus live erleben möchte, der kann ihn am 5. und am 6. Dezember am Marienplatz auf dem Rathausbalkon sehen. Nach einer Musikgruppe beginnt gegen 17:30 Uhr seine Rede. Wir wünschen viel Vergnügen!