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Kleine Typologie des Türöffners

24. Januar 2018

Wer regelmäßig U-Bahn fährt, kennt sie alle, die Türöffner-Typen: Den Stakkato-Tipper, den Dominaten oder den Verpennten. Die städtische Fauna hat da interessante Spezies hervorgebracht …

Der Stakkato-Tipper
Er ist ein insgesamt sehr ungeduldiger Typ. Wenn er kann, steht er als erster vor der Tür, oft macht er sich an der vorhergehenden Haltestelle schon auf, um die Hoheit über den Öffnungsvorgang zu haben. Das schlimmste, was ihm passieren kann? Dass => der Abwartende vor ihm steht. 

Der Profi – im A-/B-Wagen
Ihm macht keiner was vor! Bei jeder U-Bahn könnte der Profi sagen, um welches Modell es sich handelt. Und weiß selbstverständlich genau, wie sich die Türen richtig öffnen lassen. So zieht der Profi im B-Wagen z.B. nur an einer Türseite: Denn der andere Flügel öffnet sich automatisch mit. Ihm ein Graus: => der Dominante

Der Profi – im C2-Zug
In der neusten U-Bahn vom Typ C2 drückt der Kenner siegesgewiss schon einige Sekunden vorher auf den Türöffner. Ihm sind anerkennende Blicke sicher, wenn er erklärt, dass sich die U-Bahn das bis zur nächsten Station merkt – die Tür auf der richtigen Ausstiegsstelle öffnet sich dann von selbst. Den => Stakkato-Tipper klärt er gern auf. 

Der Abwartende
Er stellt sich zwar direkt an die Tür, macht aber keine Anstalten, auf den Knopf zu drücken oder die Hebel zu ziehen. Sollen es doch die anderen für ihn tun! Im allerletzten Moment erst, wenn sich sonst niemand erbarmt, gibt er nach und öffnet widerwillig die Tür. Siehe auch => der Einseitige.

Der Einseitige
Er zieht stets nur einen der Hebel an den älteren Zügen. Dabei bleibt der Einseitige zwar mit Rucksack und Einkaufstaschen hängen, aber er allein passt schon durch die Tür. Auf die Idee, für andere Fahrgäste auch die zweite Tür zu öffnen, kommt er nicht und wundert sich über giftige Blicke von => den Einvernehmlichen oder => dem Profi.

Die Einvernehmlichen
Bei den Einvernehmlichen greift sich jeder eine Hebelseite. Gemeinsam zieht es sich schließlich besser! Jetzt muss nur noch geklärt werden, wer als erster aussteigen darf, aber bei so höflichen Menschen dürfte das kein Problem sein. Sie sind verärgert von => dem Einseitigen. 

Der Dominante
Er hat beide Hände schon an den Hebeln und öffnet gekonnt zum exakt richtigen Zeitpunkt die Türen. Andere kommen neben ihm nicht zum Zug. Trifft er auf => den Einvernehmlichen kann es vorkommen, dass ihre Hände sich berühren. Und wer sagt, dass große Liebesgeschichten nicht an der U-Bahntür ihren Anfang nehmen können? 

Der Verpennte
Springt in allerletzter Sekunde auf – die Haltestelle kommt immer so überraschend … Mit viel Glück hechtet er noch durch die geöffnete Tür. Oder fährt notgedrungen weiter. Das schlimmste, was ihm passieren kann: Die neongelben Aufkleber, die an einer defekten Tür angebracht sind. Er wird milde belächelt von => dem Profi.