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Nachts im Bus: Eine eigenartige Begegnung

09. August 2018

Es gibt fast nichts, was es nicht gibt: Das gilt nicht zuletzt in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Fabian Duckhorn ist seit vier Jahren Fahrer bei der MVG. Er erlebt viel in seinem Job, doch manches lässt ihn ratlos zurück.

Der 31-jährige Busfahrer hat auf seinem Instagram-Account über ein Erlebnis geschrieben, das nachdenklich macht. Hier sein Bericht, den wir im MVG Blog teilen dürfen: 

"Es war kurz nach 5 Uhr. Ich bin gerade mit meinem gut gefüllten Bus an der Endstation Ostbahnhof angekommen und die Fahrgäste stiegen aus, als ein ein Herr auf mich zu kam und mir in einem aggressiven Ton folgenden Satz an den Kopf knallte: 'Können Sie mir erklären, warum man um diese Uhrzeit 3 Minuten Verspätung haben kann!?' Der Zorn des Herrn spiegelte sich gut sichtbar in seinem Gesicht wider.

Ich war perplex, denn ich hatte in kleinster Weise mit ein so negativen, geradezu bösartigen Erlebnis gerechnet. Ich habe dem Herrn dann versucht zu erklären, warum ein Bus, welcher auf der Straße fährt und von Ampeln, Fahrgastaufkommen, Häufigkeit von Haltewünschen etc. beeinflusst wird, auch um solch eine Uhrzeit zwei Minuten Verspätung haben kann  denn es waren zwei Minuten, nicht drei Minuten.

Aber muss man so etwas einem Erwachsenen wirklich erklären? 

Noch schlimmer finde ich, dass es kein Betrunkener war, nein, es war ein gepflegter, gut gekleideter, intelligent wirkender Herr im besten Alter  wohl das, was man als Mittelschicht bezeichnet. Und so jemand greift um 5 Uhr einen Busfahrer verbal an, der seine Fahrgäste sicher, aber mit zwei Minuten Verspätung an ihr Ziel gebracht hat.

Ich bin, besonders aus dem Rettungsdienst, einiges gewohnt. Dort hat man es oft mit beleidigenden und aggressiven Menschen zu tun. Mich erschüttert es aber immer wieder, wenn scheinbar 'normale' Menschen wegen Kleinigkeiten dermaßen ausflippen und ein solch asoziales Verhalten an den Tag legen. 

Die oft zitierte zunehmende 'Verrohung der Gesellschaft' ist  gerade in solchen Berufen  ständig präsent und bei rückwärtiger Betrachtung der letzten Jahre deutlich spürbar. Man muss sich stets die positiven Erlebnisse ins Gedächtnis rufen – ansonsten bekommt man ein zu schwarzes Bild von unserer Gesellschaft."